Nicht die Attentate in Teheran, die Antwort Honeckers auf Schmidts Brief oder die Bonner Sparverhandlungen bewegen die Gemüter der ARD-Redakteure von Tagesschau und Tagesthemen; sie haben sich selbst zum Thema gemacht: ihren Streit mit Edmund Gruber, Chef von ARD-Aktuell (Tagesschau und Tagesthemen).

Der Streit schwelte schon lange. „Er trieb in die Breite und in die Öffentlichkeit“, wie es so treffend in einem NDR-Kommentar hieß. Der Hintergrund: Die Mehrzahl der Redakteure von ARD-Aktuell fürchtet, daß der von der CDU gesponsorte Edmund Gruber Nachrichten unterdrücke und eine „innere Zensur“ praktiziere, worauf dieser replizierte, seine Kollegen betrieben einen „Tendenzjournalismus“. Petz-Briefe an den Intendanten wurden geschrieben. Eine Konferenz der Streithähne unter Leitung des Intendanten sollte Anfang der Woche Ruhe bringen und die ARD aus den Schlagzeilen. Doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein – eine Kommission, zu der die alten Kämpen Hübner, Schwarzkopf und Carl Weiß gehören, soll versuchen, die schmutzige Wäsche der ARD reinzuwaschen.

Auf der Konferenz am Wochenbeginn mußte Edmund Gruber gewaltig zurückstecken. Er nahm seine pauschalen Vorwürfe, die auch Dieter Gütt, seinen Vorgänger, denunzierten, zurück. Und er mußte sich auch vom Intendanten seiner Intransigenz wegen „rüffeln“ lassen.

Die Misere, in die die ARD da wieder einmal hineingeschliddert ist, war programmiert. Telebiss hat oft darüber geklagt, daß die Leitungsposten in den Rundfunk- und Fernsehanstalten nach politischem Proporz vergeben werden. Edmund Gruber ist so ein Fall. Er trägt CDU. Von ihm wird der Satz kolportiert: „Sie wissen, ich bin aus bestimmten Gründen hier...“ Ein fähiger Auslandskorrespondent, der er früher war, ist noch lange kein guter Team-Chef.

Und weil „der schöne Edy“ so unsicher ist, schlägt er mit israelischer Siedler-Mentalität um sich, regiert per Ordre und nicht qua Überzeugung. Es war ein Fehler der Intendanten, ihn zu berufen. Kein Verleger, der eine gute Zeitung machen will, könnte sich heute erlauben, gegen den Willen der Redaktion einen Chefredakteur durchzuboxen. Macht er’s, geht die Zeitung vor die Hunde – siehe Springers Welt:

Eine so komplizierte Redaktion wie ARD-Aktuell, wo junge Redakteure sitzen, die Themen wie Umweltschutz und Friedensbewegung ein anderes Gewicht geben, kann man nur mit Argumenten überzeugen und nicht per Ukas. Wie wenig selbstbewußt aber sind auch Grubers Gegenspieler, daß sie nicht in der Lage sind, den Strauß mit ihrem Chef in den Redaktionsräumen ausfechten und statt dessen die Flucht in die Öffentlichkeit und in die Arme der Gewerkschaft antreten. Arme ARD!

Und armer Edy! Er geht einen schweren Gang in Hamburg. Viele Freunde hat er nicht. Nun kann er auch nicht mal mehr den Nachrichtenchef des ZDF, Karl-Heinz Rudolph zitieren. Er habe ihm gratuliert und ihn beneidet wegen seiner Berichterstattung zur Neutronenwaffe, schrieb Gruber an seinen Intendanten. „Also gratuliert und beneidet habe ich ihn nicht“, erklärt der knorrige Karl-Heinz Rudolph und murmelt etwas von Überreaktion. Telebiss