"Housing Projects" gelten als gefährlich; Taxifahrer lehnen es meistens ab, dort Fahrgäste aufzulesen. Als Nicky mich von ihrem Haus zu dem von Delores begleitet, über schwach beleuchtete, baumbestandene Gehwege zwischen den Hochhäusern, die Bänke trotz der späten: Stunde noch voll besetzt, durch verkommene Straßen, wo Gruppen von Männern auf den Treppenstufen sitzen und Bier trinken, unter der Stahlkonstruktion der Williamsburg Bridge hindurch, über die der Verkehr donnert, sagt sie: "Hier passiert andauernd was, aber ich werde es nicht zulassen, daß mir etwas geschieht." Sie sagt das im gleichen Ton, in dem sie mir zuvor von der Arbeit mit ihrem Team erzählte: wie sie sich nach der ersten, knappen Niederlage in der 7. Klasse geschworen hatte, das nächste Mal die Beste zu sein. Vier bis fünf Stunden haben sie täglich nach der Schule geübt, und "Gott sei Dank, da hatten sie wenigstens etwas zu tun", sagt eine der Großmutter. Ein kleines Wunder ist es schon, daß diese Mädchen, die für ihr Alter noch fast kindlich wirken, in solcher Umgebung aufwachsen.

Eine Reise nach Europa, Fernsehshows, Werbespots – die Vermarktung hat schon begonnen. Für talentierte Schwarze waren ja Karrieren in Sport oder Musik traditionell die Sprungbretter, mit denen sie sich aus dem Getto katapultierten.

Für Robin, De’Shone, Nicky und Delores allerdings wird die Double-Dutch-Laufbahn natürliche physiologische Grenzen haben. Aber sie haben vorgesorgt. Die Einnahmen aus den Werbespots und die 50-Dollar-Anleihen, die es als Preis für jeden Sieg gegeben hat, wurden für ihre Ausbildung zurückgelegt. De’Shone will Computertechnikerin werden, Delores Programmiererin, Robin möchte Textildruck machen Und Nicky, deren Mutter Krankenschwester war, bevor sie, vierundzwanzigjährig, starb, will den gleichen Beruf erlernen. "Ich glaube, das würde sie stolz machen. Aber vielleicht werde ich auch Ärztin." Barbara v. Jhering