Nun ziehen wir den Luxusbedarf ab: Reiche Leute wohnen "groß", haben oft Zweitwohnungen und deshalb schon 1960 mehr als 19,4 Quadratmeter und 1980 mehr als 32. So gemindert sind es 18 Quadratmeter 1960 und 27 1980. Im Durchschnitt für jeden Bürger. Und dann Wohnungsnot? Was ist da los?

Es wird nicht mehr gebaut

Nun gut, die Bürger wollen eben noch mehr und noch größere Wohnungen, vor allem Mietwohnungen. Die Achtzehnjährigen wollen weg aus dem Elternhaus – sie wollen Wohnungen, billige natürlich. Warum werden keine gebaut?

Fast drei jahrzehntelang, nach der Währungsreform, bauten wir nämlich reichlich Mietwohnungen – mehrere hunderttausend jährlich. Noch vor zehn Jahren haben die Versicherungsgesellschaften für fünfzehn Prozent ihrer Kapitalanlagen Mietwohnungen gebaut; wenn sie Prämien für eine Lebensversicherung einnehmen, müssen sie laut Gesetz das Geld sicher anlegen, zum Schutz der Versicherten. Kleine Kaufleute, Handwerker, Ärzte, Rechtsanwälte sparten so für Alter und Altersbeschäftigung.

Heute werden Häuser mit "vernünftigen" Mieten fast überhaupt nicht mehr gebaut. 70 000 Bauarbeiter sind arbeitslos. 300 000 könnte man gebrauchen, würde gebaut. Warum?

Es könnte gebaut werden

Boden gibt es genug. Zwei Beispiele: In Hamburg werden 50 000 Wohnungen gesucht (davon 25 000 "Einzelhaushalte", meist 18- bis 20jährige, die eine Wohnung wollen, billig natürlich). Nahe der Innenstadt gehört der Hansestadt 1320 Hektar Bauland; nahe Stadtautobahn und Stadtschnellbahn; da sollte die Siedlung Allermöhe für 65 000 Bewohner gebaut werden. Ferner: Gerade hat die Stadt Oldenburg Bauland zum Selbstkostenpreis angeboten – und reguliert damit den Grundstücksmarkt, kein Grundbesitzer kann mehr verlangen als die Stadt, Kein Problem also, die meisten Mietwünsche ließen sich erfüllen, wenn gebaut würde. Aber niemand will das Bauland haben, weil die Baukosten zu hoch geworden sind. Wirklich: Es gibt Bauland, aber keine Nachfrage. Allermöhe wird nicht gebaut. Eine Mietwohnung mit 100 Quadratmetern zu bauen, kostet (ohne Boden) heute fast 200 000 Mark, dazu Aufschließungskosten (Straßenbau, Leitungen usw.) 30 000 Mark. Bis dahin hat kein Spekulant etwas verdient, und die Hansestadt hat ihr Grundstück umsonst hergegeben.