Verblüfft fragt man sich: Wieso kommen wir denn heute mit "nur" 20 Milliarden jährlichen Zuschüssen (einschließlich Steuervergünstigungen) aus? Wieso brauchen wir bei gleicher Mieterzahl in fünf Jahren jährlich bis zu hundert Milliarden Mark? Irgendwoher muß das Geld für die billigen Mieten von heute doch kommen? Die Antwort ist ganz einfach:

Einmal waren nicht alle nach dem Krieg im sozialen Wohnungsbau gebauten Häuser so teuer. 1960 baute man noch Häuser zu einer (für die Verzinsung und Amortisation ausreichenden) Miete Vonl2 Mark pro Quadratmeter. Da kostete die Subvention nur vier Mark pro Quadratmeter. Auch heute zahlt der Staat für diese Wohnungen nur jene vier Mark. Das geht gut, solange das Haus hält – die Sorge für den Neubau für 22 Mark pro Quadratmeter Miete haben die Nachfahren. Wir haben die Sorge nur, soweit etwa 1950 gebaute Häuser aus irgendeinem Grunde vorzeitig kaputtgehen.

Zum zweiten: Die "Altbauwohnungen" kriegen überhaupt keinen Zuschuß. Sie hängen auf den niedrigen, vom Staat festgehaltenen Mieten. Da beuten wir die Vermieter aus.

Das kann man an dem Beispiel jener Witwe sehen, der ihr Mann (ohne Rente, mittlerer Gewerbetreibender) als Versorgung ein Miethaus hinterlassen hat. Das gab vor zehn Jahren eine gute Rendite (das ist der Betrag, der ihr von den Mieteinnahmen nach Zahlung aller Kosten bleibt). Seitdem sind die Kosten stark gestiegen – die Mieten so stark nicht. Sie darf nämlich nicht die echten Kosten verlangen, sondern nur das, was ihr der Richter als "angemessen" zubilligt. Nun hat sie angenehme Mieter; die zwingen die alte Dame nicht vor das Gericht. Aber die Spanne zwischen den Einnahmen und Ausgaben (ihre Rendite beziehungsweise Versorgung) wird immer, kleiner. Zuerst. spart sie im Haushalt, lebt schlechter als ein Rentner – das ist eben die Art der Klchbürger. Wan’s denn gar nicht mehrreicht, spart sie an den Reparaturen: Das Haus wird nicht mehr alle sieben Jahre gestrichen (das verlangt eigentlich das Hamburger Klima), sondern alle neun Jahre. Die Installationen werden nicht mehr erneuert; dann gehen sie schneller kaputt – das merkt man aber erst in Jahren. Das Dach wird nicht mehr jedes Jahr nachgesehen – in zehn Jahren fällt es dann zusammen und muß teuer neu gedeckt werden. Die Frau wird das vielleicht nicht mehr erleben. Wen interessieren schon ihre Kinder und Erben?

Aber uns sollte interessieren: Da verzehrt die Nation einen wichtigen Teil ihres Vermögens. Man sehe sich in Wien oder Paris um, was passiert, wenn jahrzehntelang die Mieten gestoppt werden. Der Hausbestand verkommt, die Wohnungsnot wird katastrophal. (Deshalb ist auch unser Lebenshaltungskostenindex falsch. Jeder Mieter erhält – ohne daß er es weiß – einen Zuschuß vom Eigentümer. Das gibt dann niedrige Mieten; die halten den Lebenshaltungskostenindex künstlich niedrig.)

Erste Folgen der Mißwirtschaft

Eben jetzt drängen uns die Folgen der Mißwirtschaft. Plötzlich gibt es "Wohnungsnot". In der Tat: Da stehen Tausende vor der Tür; drinnen wohnen Leute zu einer Miete, die die Kosten nicht mehr deckt. Und wie die Leute wohnen! Warum sollten sie auch ausziehen, wenn ihre Miete so schön subventioniert wird – und der Umzug so viel kostet?