Den turnusmäßigen Ärger bekamen deutsche Reiseveranstalter auch in dieser Saison wieder mit ihren Tunesien-Programmen.

Tunesische Ferienziele rangieren in der Gunst der Touristen zwar weit oben, die Nachfrage ist dementsprechend groß. Dennoch fuhren zumindest zwei Veranstalter – „Neckermann und Reisen“ sowie „Jet-Reisen“ – mit diesem Angebot Verluste ein. Schuld daran haben in ihren Augen die tunesischen Hoteliers, denen sie Vertragsbruch vorwerfen, weil die bestellten Bettenkontingente oft kurz vor Reiseantritt abgesagt wurden.

Solche Überbuchungen entstehen immer dann, wenn die Tunewer Wegen-seiner schlecht verlaurenen Frühlingssaison rote Zahlen, befürchten. Dann muß der verlorene Boden eben im Sommer gutgemacht werden, indem man bereits vergebene Betten nochmals vermietet.

Mit „Individualreisenden“, die froh sind, noch Quartiere zu finden, lassen sich allemal bessere Geschäfte machen – die zahlen sofort und höhere Zimmerpreise. Wenn’s beispielsweise in Frankreich den Sommer verregnet, entschließen sich viele Franzosen kurzfristig zum Sonnenurlaub in ihrer ehemaligen Kolonie und bringen gute Kasse. Die Folge ist, daß die Betten belegt sind, wenn die Reisegruppen kommen. Das treibt die in Tunesien tätigen Reiseführer oft auf eine hektische Suche nach Ausweichquartieren.

So geschehen bei NUR. Als für 48 seiner Gäste keine angemessene Unterkunft mehr zu finden war, mußten diese kurzfristig per Sondercharter nach Sizilien geflogen werden, wo sie als Entschädigung Luxushotels beziehen durften. Diese Improvisation kostete die Frankfurter Reiseunternehmer 70 000 Mark, und dennoch kamen sie mit einem blauen Auge davon. Jeder Reisegast hätte nämlich das Recht gehabt, die Heimreise anzutreten und sich die gesamten Reisekosten erstatten zu lassen, was den Veranstalter teurer gekommen wäre.

Dem unbekümmerten Jonglieren mit Hotelkapazitäten ist nur schwer beizukommen, zumal auch die Auslegung der Vertragsbestimmungen zwischen Reiseunternehmer und Hotelier offensichtlich ihre Tücken hat. So werden Gäste einer Reisegruppe, die für zurückgetretene Teilnehmer eingesprungen sind, von den Tunesiern zuweilen mit dem Argument abgewiesen, sie stunden nicht auf der Namensliste, die der Veranstalter vorgelegt hatte. Solche Mißverständnisse müßten sich nach Ansicht von „Jet-Reisen“ vermeiden lassen, wenn das tunesische Fremdenverkehrsamt in Frankfurt seine Landsleute in den Hotels mit den Fremdenverkehrsbestimmungen in Deutschland vertraut machen würde.

In der Tunesien-Vertretung ist man aber anderer Ansicht. Der leitende Direktor, Faifallah Lasram, will Werbung für Tunesien betreiben und sei nicht dazu da, Schwierigkeiten zwischen den Vertragspartnern aus dem Wege zu räumen. Er sieht die Angelegenheit als ökonomisches Problem. Die deutschen Veranstalter konnten schließlich – allen Verträgen zum Trotz – im Sommer keine sicheren Unterkünfte erwarten, wenn sie in der Vorsaison nicht genug Geschäft gebracht hätten. Tunesien will deshalb laut Lasram seine Kapazitäten künftig nach der Devise vergeben: „Machen Sie gute Werbung für uns im Winter, dann kriegen sie auch genügend Betten im Sommer.“ Ob diese Strategie aufgeht, wird vom Verlauf der nächsten Saison abhängen. Meist folgten nämlich auf fette Jahre mit zahlreichen Überbuchungen heftige Einbrüche für den tunesischen Fremdenverkehr.

Andreas Schulz