Die Moon-Sekte will ihr Hauptquartier bei uns aufschlagen. Wo liegen die Grenzen der Religionsfreiheit?

Gott muß zurück aufs Festland, denn gerade in Deutschland ist Satan besonders aktiv, es ist umzingelt vom Sozialismus – diese Sorgen des "Reverend" Moon und seiner Missionare sind aber nicht der einzige Grund, der sie veranlaßt, jetzt mit einer ganzen Heerschar von Seelenerlösern bei uns einzufallen.

Das europäische Hauptquartier der Moon-Sekte, so wurde in der vergangenen Woche beschlossen, soll von Großbritannien in die Bundesrepublik verlegt werden. Der Londoner Boden ist den Moonies zu heiß und zu teuer geworden, nachdem sie dort im April den längsten und teuersten Verleumdungsprozeß in der Geschichte der englischen Rechtssprechung verloren hatten. Die Daily Mail hatte behauptet, die Sekte zerstöre Familien und praktiziere Gehirnwäsche – und die Geschworenen befanden: Die Zeitung hat recht. Regierung und Parlament prüfen darüberhinaus, ob des Koreaners "Unification Church" nicht das Prädikat "gemeinnützig" abzusprechen sei.

In der Bundesrepublik hoffen Moon und seine Jünger offenbar auf milderes Klima. 40 sogenannte Vollzeitführungskräfte und 360 hauptamtliche Missionare haben wahrscheinlich bereits die Koffer gepackt, um der schon anwesenden Truppe – nach eigenen Angaben ist sie 2000, Mann stark – Schützenhilfe zu leisten.

Ist die Hoffnung der militanten "Vereinigungskirche" berechtigt, die ja beileibe nicht nur eine spinnerte Jugendsekte ist, sondern eine Art Kampforganisation mit politischen und ökonomischen Interessen?

Vor drei Jahren wurden auch hierzulande Politiker aufgeschreckt angesichts der rüden Missionierungspraktiken mit ihren schlimmen Folgen. Im Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit wurde ein Sektenbericht geschrieben, die Justizminister der Länder diskutierten. Sie kamen allerdings zu dem Schluß, daß es ein Anti-Sektengesetz bei uns nicht geben dürfe.

Für diese liberale Entscheidung spricht vieles. Um so wichtiger ist es, daß sich all jene, die sich juristisch und administrativ mit dieser "Kirche" zu befassen haben, über Untersuchungen und Entscheidungen informieren, die in anderen Länden vorliegen, und daß sie Moons Schrift von den "Göttlichen Prinzipien" genau studieren. Das englische Urteil wurde-schon erwähnt; 1978 befand ein Ausschuß des Repräsentanten-Hauses in Washington: "Die Sekte gleicht einer paramilitärischen Organisation, sie hat die^-Merkmale einer streng disziplinierten politischen Partei." Im Mai dieses Jahres entschieden New Yorker Richter: "Wir befinden, daß politische und ökonomische Theorien so wesentliche Bestandteile der Doktrin sind, daß es die Behauptung (der Sekte) widerlegt, ihr primärer Zweck sei religiöser Natur." Folglich muß Moon für seine Millionen-Werte an Immobilien in New York Millionen an Steuern nachzahlen.