Nahezu unbeachtet bleibt neben den geläufigen „Reise-Krankheiten“ ein Leiden, das ebensolcher Vorsorge bedurfte: die Kinderlähmung.

Cholera-Impfung, Malaria-Prophylaxe und Gelbfieberschutz zählen zu den selbstverständlichen Vorsorgemaßnahmen, die verantwortungsbewußte Urlauber vor Antritt einer Fernreise in seuchengefährdete Regionen treffen.

Eine nicht minder gefährliche Krankheit, die Kinderlähmung, bleibt bei dieser Vorsorge allerdings meist unbeachtet, weil kein Reiseland entsprechende Schutzimpfungen fordert und die meisten Menschen hierzulande glauben, sie seien dank ihrer Impfung in jungen Jahren für alle Zeit immun gegen das tückische Leiden. Ein gefährliches Fehlurteil, zumal eine Polioinfektion im Gegensatz zu Gelbfieber oder Pocken nicht nur in entlegenen Tropengebieten, sondern überall möglich ist.

Eine Polioerkrankung kann verschieden schwer sein. Im leichtesten Fall bemerkt sie der Erkrankte überhaupt nicht, im schwersten stirbt er. Die Widerstandskraft gegen die Kinderlähmung ist auch abhängig von der körperlichen Allgemeinverfassung. Je weniger kräftig ein Mensch ist, desto leichter hat es das Poliovirus, sich im Körper durchzusetzen. Deshalb ist in Gebieten mit Ernährungsproblemen, also auch in touristisch interessanten Regionen der Dritten Welt, die Gefahr einer Polioverbreitung höher, insbesondere, wenn es sich um Ballungsgebiete handelt. Beispiele sind Lagos, Mexico-City und Rio de Janeiro. Doch auch in anderen, hochzivilisierten Gebieten kann sich diese Krankheit ausbreiten, so hatten vor etwa zwei Jahren die Niederlande eine glücklicherweise rasch kontrollierte Polioepidemie.

Gegen diese Krankheit gibt es einen absolut wirksamen Schutz: die Impfung. Ihre Wirkung läßt allerdings – was viele Menschen nicht wissen – nach einigen Jahren stark nach. Das Infektionsrisiko ist nach acht bis zehn Jahren wieder relativ hoch, deshalb ist eine Wiederholungsimpfung dann notwendig. Im Gegensatz zur Erstimpfung, die jeweils aus einer doppelten Schluckimpfung binnen sechs Wochen und einer dritten Schluckimpfung nach einem Jahr besteht, reicht für die Wiederholungsimpfungen jeweils ein „Schluck“. Bei den Gesundheitsämtern werden diese Wiederholungsimpfungen kostenlos erteilt, bei Ärzten kostet diese Schutzmaßnahme etwa 15 bis 28 Mark. K. V.