/ Von Gunter Hofmann

Bonn, im September

Von einem „Neuanfang“ wollten zwar auch die Optimisten in der fast zwölf Jahre alten sozial-liberalen Koalition nicht unbedingt reden. Aber ursprünglich hatten sie doch große Hoffnungen auf die „Operation 82“ gesetzt. Einmal sollte sie der Versuch sein, die dynamischen Zuwächse von Haushalt und Schulden zu bekämpfen und den Etat den Zeiten ohne weiteres Wirtschaftswachstum anzupassen. Zum anderen sollte die Koalition das nachholen, was sie im Oktober vorigen Jahres bei den Regierungsverhandlungen versäumt hatte: sich ein solides politisches Fundament verschaffen.

Es ist alles ganz anders gekommen. Von einem „Neuanfang“ kann nicht mehr die Rede sein. Vielmehr muß die Koalition nun einen Scherbenhaufen zusammenkehren. Das Bündnis steht vor der entscheidenden Frage: Wie läßt sich künftig noch plausibel begründen, was SPD und FDP zusammenhält?

Viel „Mist“ sei im August an die Öffentlichkeit getragen worden, schimpfte der Kanzler. Und in der Koalitionsrunde hat er denn auch gleich offen, wie er das liebt, den Wirtschaftsminister Lambsdorff gefragt, was ihn eigentlich in den letzten Wochen zur Veränderung seiner Position bewogen habe. Sie beide, er und Lambsdorff, seien doch Ende Juli mit den Haushaltsbeschlüssen vor die Presse gegangen, und er habe danach den Eindruck eines relativen Einverständnisses gehabt. Lambsdorffs Antwort blieb, wie es heißt, ein bißchen indifferent und vage, er habe damals schon gemeint, die „Rahmenbedingungen“ müßten noch verbessert werden.

Auch Willy Brandt schaute noch einmal zurück, und gewiß nicht ohne Zorn. Denn: Hatte ihm Genscher nicht zugesagt, für die Beschäftigungspolitik solle etwas geschehen, und Arbeitslosengeld und die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sollten unangetastet bleiben?