Die Tagebücher des Grafen Ernst A. Heinrich von Lehndorff (1727–1811), Kammerherr am Hofe Friedrichs des Großen, erschienen (übersetzt aus dem französischen Original) zum erstenmal 1906. In der vierten Folge drucken wir Notizen aus dem Jahre 1757. Der Siebenjährige Krieg hat begonnen, Friedrichs Truppen sind in Winterquartiere gezogen. Der Hof hält sich in Berlin auf.

21. Januar 1757.

Der alte Baron Pöllnitz, der vor acht Tagen mit Schwären bedeckt war wie Lazarus (nachdem er wie der reiche Mann gelebt hatte) und zu sterben meinte, erscheint wieder, boshaft und frivol wie vorher. Er reizt uns zum Lachen, indem er uns ganz freimütig bekennt, daß der größte Teil seiner Memoiren aus Lügen bestehe.

13. Januar 1757.

Zum Souper bin ich beim Prinzen von Preußen (August Wilhelm, Bruder Friedrichs II.). Er hält die Bank, und ich gewinne ein paar Taler. Ich sehe aber, daß Se. Königliche Hoheit es nicht liebt zu verlieren; darum will ich es mir zur Regel machen, nicht gegen ihn zu setzen.

24. Januar 1757.

Galacour bei der Königin aus Anlaß des Geburtstages unseres großen Königs. Ein polnischer Kavalier kommt an den Hof mit einem alten Kleidungsstück, das ich an einen Juden verkauft hatte. Der Prinz von Preußen erkennt es. Man sieht hieraus, daß die Herren Sarmaten unsere Trödler sind.