Die Ernüchterung, die am vergangenen Monatsende auf den deutschen Aktienmärkten eintrat, war offensichtlich mehr als die übliche technische Reaktion. Immer mehr Börsianer fragen sich, ob der Aktienmarkt abgekoppelt bleiben kann oder ob die Hochzinspolitik ähnlich wie jetzt in den USA – auf die Aktienkurse durchschlagen wird. Wenn die deutschen Aktien in den letzten Monaten gestiegen sind, haben sie dies in erster Linie Ausländern zu verdanken, und zwar sowohl Käufern aus den ölüberschußländern als auch aus den USA und Großbritannien.

Ihnen hatten sich inländische Käufer angeschlossen. Sie kauften mit der Hoffnung, daß ihnen die Ausländer schon bald einen noch höheren Preis zahlen würden. Ohne Zweifel haben auch Banken zu diesem Zweck Bestände vorgekauft.

Als dann die Kaufaufträge aus dem Ausland nur noch spärlich flossen, wurden diese Bestände auf den Markt geworfen. Es kam zu einem Favoritensturz, weil es sich natürlich gerade um solche Papiere handelte, deren Kurse von den Ausländern vorher überdurchschnittlich nach oben gebracht worden waren.

Aber auch die Preussag-Spekulanten erhielten einen Dämpfer. Preussag-Aktien fielen von 232 auf unter 199 Mark, nicht zuletzt wegen des Meinungsstreites über die für 1981 in Umlauf gebrachten Gewinnschätzungen. Die bislang favorisierten Maschinenbauaktien gerieten gleich von zwei Seiten unter Druck. Einmal durch ausbleibende Kaufaufträge aus dem Ausland, zum anderen wegen der stabiler gewordenen Mark. Denn man hatte die Papiere der Anlagenbauer gerade deshalb erworben, weil ihnen die schwache Mark bessere Exportchancen eröffnen sollte. K.W.