Itzehoe

Über die schleswig-holsteinische Kreisstadt Itzehoe läßt sich nicht viel sagen. Weil aber das Landgericht hier seinen Sitz hat, ist der biedere Ort bei spektakulären Prozessen Treffpunkt zahlreicher Journalisten. Diesmal saß auch Polizei-Prominenz unter den Zuhörern im Gerichtssaal, denn das Ansehen der uniformierten Ordnungshüter stand auf dem Spiel. Nun ist zumindest die Ordnung wiederhergestellt.

Zu sechs Jahren und fünf Monaten Freiheitsstrafe wurde der Polizeibeamte Wilfried Christiansen verurteilt, zu sechs Jahren sein Kollege Erwin Reich. Die beiden Pinneberger Polizisten hatten in der Nacht vom 19. auf den 20. Februar in der Ausnüchterungszelle der Pinneberger Rathauswache die dort wegen Trunkenheit zu ihrem Schutz „behördlich verwahrte“ 22jährige Inge Beyer vergewaltigt.

„Besoffene fordern zum Mißbrauch heraus“, befand der Vorsitzende Richter Manfred Selbmann in der Urteilsbegründung, „Bei normalen Vergewaltigungen“, wie er es ausdrückte, „sei das sonst ein Milderungsgrund.“ Doch hier „mußte ein Zeichen gesetzt“, mußte „allen, die potentiell oder gedanklich dazu neigen, gleichsam ein Warnsignal aufgestellt werden.“ Es ging „um die Reinhaltung der Dienststellen, da muß zugeschlagen werden. Obwohl sicherlich für die Masse der Polizei ein solches Zeichen nicht notwendig ist.“ Aber besser ist besser.

Und „weil es zur Hygiene gehört, denn man ärgert sich langsam“, wandte sich der Richter an die zahlreich erschienenen Vertreterinnen der Frauenbewegung, „das Gerede von der Männergesellschaft und, daß hier nur Männer zu Gericht gesessen hätten“, könne er nun nicht mehr hören. „Die Erfahrung hat gezeigt, daß im Gegenteil Frauen bei Männergerichten eher besser wegkommen.“

Um diese juristisch fragwürdigen Ungereimtheiten richtigzustellen: Über eine Frau hatte die Erste Strafkammer des Landgerichts Itzehoe ja gar nicht zu Gericht gesessen, wiewohl es während der Verhandlungstage oft den Anschein gehabt hatte. Wie immer bei Vergewaltigungs-Delikten war es um die Glaubwürdigkeit der Vergewaltigten gegangen.

Uwe Maeffert, Rechtsanwalt der Nebenklägerin Inge Beyer: „Welche Frau lädt sich denn diese Bürde eines solchen Verfahrens auf, wenn sie nicht wirklich Opfer einer Vergewaltigung geworden ist?“