Literaturmosaik

Vom Büacherlease’

Büacher send wia Feuerstoa’.

Aber Fonke’ gend alloa’

weder warm, no helle’ Schei’:

Solls e’ Flamm gea’, noh so klei’,

muaß dr Leaser Zonder sei’.

Dies ist eines der schwäbischen Gedichte von Josef Eberle, der am 8. September achtzig Jahre alt wird. Als schwäbischer Dichter hat sich Eberle schon früh Sebastian Blau genannt. Und weil der Buchhändler aus Rottenburg am Neckar, der von 1927 bis 1933 die Vortragsabteilung des Süddeutschen Rundfunks leitete, von den Nazis verfolgt wurde und nach 1945 die "Stuttgarter Zeitung" gegründet und 25 Jahre lang geleitet hat, noch mehrere Dichter in sich rumoren fühlte, hat er als losephus Apellus lateinische Verse, als Peter Squentz Reime in barocker Manier, unter dem eigenen Namen Essays, Erinnerungen und, unter dem Namen "Der alte Wang", seit einigen Jahren satirische Lebensweisheiten in der Form chinesischer Spruchdichtung veröffentlicht. Zum Geburtstag erscheinen zwei neue Bücher: Dir "Schwobespiagel" sammelt alle Gedichte in schwäbischer Mundart (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart; 288 Seiten, 34 Mark); "Die Wandzeitung Ein- und Ausfälle des alten Wang" die bissigen Sprüche eines weise gewordenen Mandarins aus China-Schwaben (Rainer Wunderlich Verlag Hermann Leins, Tübingen; 176 Seiten, 16,80 DM).

Literaturmosaik

Brecht in der Tasche

Soviel Brecht für sowenig Geld gab es noch nie. Die Wiederkehr des – fünfundzwanzigsten Todestags (14. August 1956) macht es möglich: In einem weinroten Leinenband: (1392 Seiten, 25 Mark), der "Die Gedichte von Bertolt Brecht" verspricht, wird wahr, was der Dichter einmal gewünscht hat: Möchte die Gedichtbände anders als üblich gedruckt herausbringen ... Kleiner, in die Tasche zu stecken". Ehe wir uns, wieder einmal, mokieren, auf welch raffinierte Art das Haus Suhrkamp auch die Werke dieses Sozialisten in immer neuer Weise verwertet, den interessierten Leser immer noch einmal zur Kasse bittend, worauf – verschämt – das Sätzchen im Vorsprach verweist? "Diese Ausgabe verhält sich seitenidentisch zu den Bänden 1–4 der gesammelten Gedichte?" (wobei die starke Verkleinerung des Satzspiegels verschwiegen wird), sei diese Dünndruckausgabe, die jede Rocktasche ausbeult, gepriesen: Mit diesem Band lassen sich lange Reisen, verregnete Ferien, schlaflose Nächte gut überstehen. Von den frechen Versen des lyrischen Apothekers der "Hauspostille" bis zu den müden Elegien des enttäuschten Revolutionärs aus dem märkischen Idyll am Buckower See spannt sich ein Dichterleben, für das Brecht selber eine Formel suchte in den beiden Vierzeilern unter dem ihn und sein Werk kennzeichnenden Titel:

Wechsel der Dinge

I

Und ich war alt, und ich war jung zu Zeiten

War alt am Morgen und am Abend jung

Und war ein Kind, erinnernd Traurigkeiten

Literaturmosaik

Und war ein Greis ohne Erinnerung.

II

War traurig, wann ich jung war

Bin traurig, nun ich alt

So, wann kann ich mal lustig sein?

Es wäre besser bald.

Verboten und verbrannt

Literaturmosaik

Der Arbitskreis Literatur im Kunstverein Elmshorn hat eine Ausstellung zusammengetragen, die in Schleswig-Holstein und Hamburg gezeigt wird: "verboten und verbrannt – Deutsche Literatur im Exil 1933–45". Dazu ist ein informativer, mit Bildern und Original-Texten geschmückter Katalog erschienen (56 Seiten, 5 Mark, zu beziehen über Per Koopmann, Glashüttenstraße 38, 2000 Hamburg 6).

Grabbe und die Tradition

Zum 180. Geburtstag von Christian Dietrich Grabbe am 12. September gibt die Grabbe-Gesellschaft in Detmold ein Buch als Jahresgabe heraus: David Horton "Grabbe und sein Verhältnis zur Tradition" (120 Seiten, zu beziehen über die Geschäftsstelle Bruchstraße 27, 4930 Detmold). Es ist ein junger Engländer, in Deutschland und England aufgewachsen, seit Jahren als Lektor an deutschen Universitäten lehrend, der sich in fünf gründlichen Kapiteln mit dem Dramatiker auseinandersetzt, dessen Werke in seiner deutschen Heimat kaum noch gespielt werden.

Briefe von und an Hegel

Zum 150. Todestag Hegels am 14. November bringt der Felix Meiner Verlag in Hamburg, der sich auf philosophische Literatur mit besonderer Sorgfalt einläßt, eine einmalige, limitierte Sonderausgabe der "Briefe von und an Hegel" heraus. Die vier in der "Philosophischen Bibliothek" des Verlages lieferbaren Leinenbände wer den inhaltsgleich wiedergegeben und durch den zur gleichen Zeit erscheinenden, das Gesamtwerk abschließenden Band 4, Teil 2 "Nachträge und Register" ergänzt. Alle fünf Bände der Teilausgabe, ediert von Johannes Hoffmeister und Friedhelm Nicolin, erscheinen in einer Kassette (2264 Seiten; bis zum Erscheinen der Ausgabe im Oktober: 128, später 168 Mark).