Von Barbara Franck

Liebe B.! Als Du mir neulich Deine Gedanken, ein Kind haben zu wollen, mitgeteilt hast, war ich zuerst ziemlich betroffen. Du hast mir erklärt, es ginge Dir nicht darum, aus unserer Beziehung so eine Art Ehe zu machen. Du willst ein Kind haben – Dein Kind –, und wenn ich will, mit Dir zusammen.

Das ist der Punkt, der mir Schwierigkeiten macht. Ich fühle mich dabei völlig draußen und habe das Gefühl, da nicht vorzukommen. Auch wenn Du mir versicherst, daß Du dieses Kind mit mir Zusammen willst, so fühle ich mich doch mehr als ,Zeugungsapparat‘.

Würdest Du Dir auch jemand anders suchen, wenn ich nicht wollte? Kann ich so überhaupt eine Beziehung zu diesem (Deinem??!!?) Kind bekommen? Unterstelle ich Dir nicht, daß Du mich ein Stück benutzt? Warum kommt so etwas wie Neid auf Deine Möglichkeiten bei mir auf? Was löst dieses Ohnmachtsgefühl bei mir aus? Betreiben wir nur einen Machtkampf mit anderen Mitteln?...“

Dieser etwas unbeholfene Brief, „erfunden, aber nicht frei“, steht im Männerkalender ’81, den das „Kollektiv rosaroter Panther Köln-Berlin“ herausgegeben hat. Er soll Geschlechts- und Leidensgenossen ermutigen, über ein Thema zu sprechen, das immer mehr Männern „Angst macht bis zur Panik“, so einer aus dem Kollektiv.

Angst und Panik hat Heiner W. schon hinter sich, als ich ihn kennenlerne. Er ist voll aggressiver Bitterkeit, die nur manchmal Raum für Trauer läßt. Heiner ist 31 Jahre alt, hat an der Pädagogischen Hochschule studiert und „schleppt sich derzeit mit dem Examen hin“. Sechs Jahre war er mit der drei Jahre jüngeren K. befreundet, die erst Physik studierte und sich dann zur Säuglingsschwester hat umschulen lassen. Im Oktober bekommt sie ein Kind von ihm. Sie wird Heiner weder als Vater angeben noch als Vater akzeptieren. Sie will nichts mehr von ihm, nicht mal sein Geld.

„Hallo K.!“, hat Heiner ihr irgendwann in den vergangenen Monaten geschrieben. „Ich fühle mich wie jemand, den man niedergeschlagen hat – Ich weiß, die Welt geht nicht unter, wenn ich durch Dich Vater werde, aber ich fühle mich durch Dich hereingelegt, überfahren, ausgenutzt, nicht ernstgenommen... Du hast für Dich allein entschieden, hast mir meinen Teil der gemeinsamen Verantwortung nicht zugestehen wollen ...“ – Den Brief hat Heiner nie abgeschickt.