Heiner ist ein kleiner, schmaler Mann mit sanften Augen, "eher ein Träumer oder Zuhörer", sagt er über sich. Viele Männer haben Angst vor dem, was für ihn Realität geworden ist: von einer selbstbewußten Frau ungefragt zum Vater gemacht zu werden. Und viele Männer zahlen dafür, wenn es passiert, nicht nur psychisch, wie Heiner, sondern auch finanziell.

Eine Rolle nach Belieben

Zum erstenmal seit 15 Jahren ist In der Bundesrepublik die Geburtenrate wieder gestiegen: 620 000 Babys wurden im vergangenen Jahr geboren, sieben Prozent mehr als im Vorjahr, darunter immer mehr nichteheliche. Ihr Anteil an der jährlichen Geburtenzahl stieg seit 1965 von knapp fünf auf über, sieben Prozent.

Kein Zweifel, daß die meisten "alleinerziehenden" Mütter sich diese Aufgabe gern mit dem Vater des Kindes teilen würden – sei er ihnen angetraut oder nicht. Die Not am Mann, der dazu bereit ist, oder die Not mit dem Mann, der dazu nicht fähig ist, läßt ihnen oft keine andere Wahl, als die Situation allein oder mit Hilfe anderer "Bezugspersonen" zu meistern. Doch Tatsache ist auch: Immer mehr Frauen wollen ein Kind in erster Linie für sich und erst in zweiter Linie, wenn überhaupt, zusammen mit einem Mann. Immer häufiger wird im Zweifelsfall "nicht das Kind abgetrieben, sondern der Vater", wie es eine Frau im stern-Bericht "Mütter ohne Mann" formuliert.

Durch Pille, Emanzipation und einen liberalisierten Paragraphen 218 lassen sich die "Machtverhältnisse", wenn man die Situation denn einmal darauf reduziert, heute nahezu umkehren. Liefen Frauen früher Gefahr, ein ungewolltes Kind zu bekommen, vom Mann damit "sitzengelassen" und allgemeiner sozialer Ächtung ausgesetzt zu werden, so können sie sich heute geplant ein Kind "machen" lassen und den Mann sitzenlassen. Auf jeden Fall können sie ihm nach eigenem Belieben eine Rolle diktieren. Ob es auch "sein" Kind ist, ob er für dieses Kind zahlen muß, es aber nicht sehen darf, oder ob ihm selbst die finanzielle Verantwortung "abgenommen" wird, wie Heiner W., liegt allein im Ermessen der Frau.

Daß K. nicht nur auf den Vater ihres Kindes, sondern auch auf seine Alimente für das Kind verzichtet, ist sicher eine Ausnahme. So eine grausame Fairneß können oder wollen die meisten Frauen sich nicht leisten. Doch gerade die radikale Konsequenz macht deutlich: Der Boden, den Frauen gewinnen, wird den Männern oft geradewegs unter den Füßen weggezogen.

Heiner und K. haben nie zusammengelebt, obwohl er zeitweilig gern mit ihr und anderen in eine Wohngemeinschaft gezogen wäre. Er lernte zu akzeptieren, daß er kein Recht habe, Forderungen an sie zu stellen. Er lernte auch damit zu leben, daß sie mit anderen Männern schlief: "Das hat unheimlich Kraft gekostet, aber ich fand beeindruckend, wie sie dachte und mit sich umging." Als K. schließlich merkte, daß sie sich immer mehr zu Frauen hingezogen fühlte und sich auch dazu bekannte, wurde aus der Freundschaft eine "intellektuelle Partnerschaft", die Heiner immer noch viel bedeutete. Er war zwar überrascht, als sie ihn eines Nachmittags systematisch verführte, aber nicht gerade unangenehm. "Wie vor den Kopf geschlagen" fühlte er sich erst, als er begriff, daß K. es ebenso systematisch darauf angelegt hatte, schwanger zu werden.