Valéry Giscard d’Estaing scheute sich, die französische Flagge zu streichen; denn das Überschallflugzeug Concorde war für ihn ein Stück der Gloire, des Stolzes Frankreichs. Die Staatsoberhäupter anderer Staaten pflegte er damit zu beeindrucken, daß er mit diesem Wunderwerk moderner Luftfahrttechnik zu Staatsbesuchen aufkreuzte.

François Mitterrand ist da aus anderem Holz. Er sieht die 140 Millionen Mark Verlust, die das Flugzeug letztes Jahr im Liniendienst der Air France eingeflogen hat. Was nutzt es schließlich der „Gloire de France“, Jahr für Jahr Millionen über dem Nordatlantik zu verpulvern? Sogar kostengünstiger operierende Flugzeuge fliegen auf dieser Rennstrecke des internationalen Luftverkehrs nur noch in den roten Zahlen. Die Zeiten, da im Amerika-Verkehr die Geldquellen der Luftverkehrsgesellschaften sprudelten, sind lange vorbei.

Lufthansa-Chef Culmann hat vor Jahren das Bonmot geprägt: „Sagen Sie mir, wann die Lufthansa pleite sein soll, und ich sage Ihnen, wie viele Concorde ich kaufe.“ Nun will auch die französische Regierung das Abenteuer mit dem britischfranzösischen Überschallflugzeug beenden. Bisher hat es die beiden Länder fast 15 Milliarden Mark gekostet. Für Prestige ein hoher Preis. Sicher gibt es in Frankreich soziale Aufgaben, für die solche Prestige-Millionen besser angelegt sind. hm