Ägypten und Israel wollen wieder über die Autonomie für die Palästinenser verhandeln. Wie sie sich einigen sollen, ist allerdings weiterhin unklar.

Sadat und Begin haben es in Alexandria beschlossen: Am 23. September kommt eine israelische September nach Kairo, um über eine Autonomie für die 1,2 Millionen Palästinenser in den von Israel besetzten Gebieten zu verhandeln – 16 Monate, nachdem Sadat aus Verärgerung über die Annexion Ost-Jerusalems die Autonomiegespräche abgebrochen hatte. 1978 in Camp David hatten sich Begin und Sadat auf Verhandlungen geeinigt, die den Palästinensern für eine fünfjährige Übergangszeit die Autonomie bescheren sollte. Über diesen Minimalkonsens sind Kairo und Jerusalem seitdem nicht hinausgekommen; auch nach Begins Ägyptenreise in der vorigen Woche sind Annäherungen in der Sache nicht erkennbar.

Die israelische Regierung möchte den Arabern in Westjordanien und im Gaza-Streifen wenig mehr als kommunale Selbstverwaltung unter israelischer Souveränität zugestehen, ihre Siedlungspolitik fortsetzen und Ost-Jerusalem von der Autonomieregelung ausnehmen.

Sadat hingegen muß weitergehende Forderungen stellen, um seine Isolierung in der arabischen Welt zu überwinden: Sein Verhandlungsziel ist weitgehende Unabhängigkeit für die Palästinenser, ehe die Israelis nach fünf Jahren des Übergangs ganz abziehen sollen. Das ägyptische Arrangement mit Israel soll kein Separatfrieden bleiben; darum fordert Sadat die Beteiligung der PLO an den Verhandlungen mit Israel.

Trotz dieser Gegensätze müssen beide Seiten an neuen Gesprächen interessiert sein. Sadat braucht dringend den außenpolitischen Erfolg angesichts einer miserablen wirtschaftlichen Lage und wachsender Unruhe im Land. Letzte Woche ließt der ägyptische Staatschef verbreiten, er erwäge nach Ablauf seiner Amtszeit im Herbst nächsten Jahres einem neuen Präsidenten Platz zu machen – vielleicht mehr als bloßes Gedankenspiel.

Auch in Alexandria forderte Sadat die PLO und Israel auf, sich gegenseitig anzuerkennen. Menachem Begin schließt aber auch nach dem Waffenstillstand an der libanesischen Front Kontakte mit der "Mörderorganisation" PLO aus; die PLO-Führung wiederum vermeidet bei aller diplomatischen Geschmeidigkeit eine Stellungnahme, aus der ein Abrücken vom Ziel der Vernichtung des "zionistischen Gebildes" Israel klar zu erkennen wäre.

Das mußte auch der französische Außenminister Cheysson feststellen, der bei seiner Rundreise durch arabische Länder das Mißtrauen gegen seine als pro-israelisch geltende Regierung abzubauen versuchte. Nach seinem Treffen mit PLO-Chef Arafat in Beirut bezeichnete er den Palästinenser artig als "Mann des Dialogs", und Arafat sprach von seiner Hoffnung, daß die guten Beziehungen zwischen den französischen Sozialisten und Israel zu einem "gerechten Frieden" beitragen könnten.