Am 12. August wurde Arsenij Roginskij (35), ein international bekannter russischer Historiker, in Leningrad verhaftet. Seit 1973 hatte ihn der Geheimdienst beschattet, bedrängt und bedroht. Obwohl er nichts getan oder geschrieben hatte, was als „antisowjetisch und verleumderisch“ gelten könnte, erschien er verdächtig, weil unter seinen Freunden und Kollegen Dissidenten waren; Roginskij weigerte sich, gegen sie auszusagen, Beziehungen zu ihnen abzubrechen.

Deshalb war er schon 1976 ins Irrenhaus gesteckt worden, damit eine „psychiatrische Expertise“ angefertigt werden könnte. Danach durfte Roginskij nicht mehr an der Schule unterrichten und lebte seitdem unter rigorosem Berufsverbot. Man legte ihm nahe zu emigrieren: Er habe in der Sowjetunion ohnehin keine Aussichten mehr.

Vor einem halben Jahr entschloß sich Roginskij auszuwandern. Vorher wollte er aber noch seine Studien in der öffentlichen Bibliothek beenden – als er wieder in der Bibliothek arbeiten wollte, wurde er verhaftet. Die Anklage: Er sammle Materialien, um sie ins Ausland zu schicken.

Roginskij ist nicht der einzige mißliebige Intellektuelle, gegen den der KGB in den letzten Wochen vorgegangen ist:

  • Vor kurzem wurde Konstantin Asadowskij, der bekannte Germanist, zu zwei Jahren Haft verurteilt. Bei einer Hausdurchsuchung war plötzlich Haschisch gefunden worden.
  • Der Archäologe Lew Klein wurde vor einigen Monaten verhaftet, weil er homosexuell sei (zuletzt waren unter Stalin Klagen dieser Art erhoben worden).