Stuttgart

Mit gerade 35 Jahren scheint Bundestagsneuling Klaus Rösch seine politische Zukunft bereits hinter sich zu haben. Dabei ist er ein begabter Politiker, er kann frei reden, taktieren und dabei noch unterhalten. Politischer Streit macht ihm Spaß, und so wurde Rösch zu einem in der FDP seltenen Talent. 1976 kam er als jüngster Abgeordneter in den baden-württembergischen Landtag und machte sich bei den Vorsitzenden Martin Bangemann und Jürgen Morlok unentbehrlich. Doch dann begann der selbständige Kaufmann aus begütertem Hause als Vorsitzender des damaligen Zweitliga-Fußballvereins BSV 07 Schwenningen im Stile eines südländischen Ball-Managers hochkarätige Kicker für enorme Summen einzukaufen. Über Bürgschaften von Banken sicherte er sich ab und scheiterte zunächst sportlich. Als er den Vereins-Vorsitz aufgeben mußte, übernahm er persönliche Verpflichtungen von 900 000 Mark. Im Dezember 1977, als das Ganze im lokalen Gemeinderat verhandelt wurde, war der FDP-Stadtrat Klaus Rösch nicht anwesend.

Von den zwölf Wechseln, die Diplom-Betriebswirt Rösch zur Tilgung seiner Verbindlichkeiten in Schwenningen ausgestellt hatte, sollten schon auf dem Weg zehn geplatzt sein. Trotzdem verwendete der Abgeordnete das Geld aus dem Verkauf seines Schwenninger Hauses für den Kauf eines neuen Eigenheims in Freiburg. Dieses Haus hat der Freidemokrat im letzten Jahr wieder verkauft – nun haben die Käufer Ärger: Da Rösch seine Hypotheken nicht beglichen hat, können sie ihre Grundschuld nicht eintragen lassen.

Da ist noch die Sache mit dem von Rösch in Schwenningen gegründeten Reisebüro Suevia, das bald in Konkurs ging und eine Pleite von 500 000 Mark hinterlassen haben soll. In diesem Fall wird der Abgeordnete sich bald vor Gericht zu verantworten haben, da sein ehemaliger Kompagnon ihn mit schwerwiegenden Vorwürfen belastet. Untersucht wird auch, ob die Krankenversicherungsbeiträge der Angestellten des Reisebüros ordnungsgemäß abgeführt wurden.

Bei den Landtagswahlen im letzten Jahr wurde Rösch nicht mehr ins Stuttgarter Parlament gewählt. Als dann die baden-württembergische Landesliste der FDP zur Bundestagswahl erstellt wurde, fiel Rösch wieder auf die Beine, die Partei placierte ihn, ganz im Sinne der Landesführung, auf Platz neun – und Rösch rutschte gerade noch in den Bundestag. Nicht ohne dem Landesvorsitzenden Jürgen Morlok das Versprechen zu geben, seine Finanzen zu sanieren. Klaus Rösch hielt sein Versprechen nicht, und seit letzter Woche hält ihm nicht mal mehr der treue Morlok die Stange. Der Partei, so gab er bekannt, sei durch ihren Abgeordneten ein ziemlicher Schaden entstanden. Röschs ehemaliger Ortsverein in Villingen-Schwenningen arbeitet an einem Ausschluß verfahren. Baden-Württembergs FDP hätte dann, nachdem schon Guido Brunner zwecks Berlin-Hilfe das Bonner Parlament verließ, bereits ihren zweiten Bundestagsabgeordneten in knapp einem Jahr verloren.

Hansjörg N. Schultz