Von Allister Sparks

Johannesburg, im September

Der südafrikanische Vorstoß nach Angola ist der bisher deutlichste Beweis dafür, daß die Regierung in Pretoria sich von Verhandlungslösungen für Namibia abgewandt hat und eine „militärische Lösung“ anstrebt. Schon seit einiger Zeit sagten Geheimdienstberichte voraus, die Südwestafrikanische Volksorganisation (Swapo) werde sehr wahrscheinlich jede unter Aufsicht der Vereinten Nationen in Namibia stattfindende Wahl gewinnen. Das aber will Südafrika auf jeden Fall verhindern, zumindest so lange, wie die vorgeschlagene Verfassung keine besonderen Sicherheiten für Weiße und andere Minoritäten garantiert.

Um der Entwicklung, vorzubeugen, hat Pretoria deshalb den Verhandlungsprozeß verzögert und eine große Militäraktion gegen die Swapo-Guerillas gestartet. Die Invasion soll die Swapo in ihren Basen treffen. Weil der Angriff angolanische Truppen bindet, hilft er auch dem Führer der Rebellenbewegung Unita, Jonas Savimbi. Seine Truppen kontrollierten schon bisher den Südosten Angolas entlang der Grenze zu Namibia. Jetzt bietet ihm der südafrikanische Vorstoß die Gelegenheit, seinen Einflußbereich zu vergrößern. Südafrika setzt darauf, daß es Savimbi schließlich gelingen könnte, im ganzen Süden Angolas einen Pufferstaat zu errichten.

Selbst wenn dieses Ziel nicht völlig erreicht und die Swapo nur zum Teil zerschlagen würde, wäre Pretoria zufrieden. Denn die Südafrikaner rechnen damit, daß eine Reduzierung der Militärmacht und des Prestiges der Swapo auch zu einer Verminderung ihres politischen Einflusses in Namibia führte. Gleichzeitig mit dem Schlag gegen die Swapo unternimmt Südafrika auch noch den Versuch, die konservative demokratische Turnhallenallianz aufzuwerten.

Auf diese Weise hofft die südafrikanische Regierung, eine Situation zu schaffen, in der die Turnhallenallianz Wahlen gewinnen und eine unabhängige Regierung bilden könnte. Und selbst wenn die Allianz die Wahlen nicht gewinnen sollte, könnte sie zumindest so stark daraus hervorgehen, daß sie in der Lage wäre, einen Kompromiß in der Verfassungsfrage durchzusetzen, der den Weißen und anderen Gruppen eine bestimmte Autonomie garantierte.

Als John Vorster noch Südafrika regierte, hielt Pretoria militärische Lösungen bei bürgerkriegsähnlichen Situationen wie der in Namibia für unmöglich. Es glaubte nur an den Erfolg politischer Lösungen. Deshalb schaltete es sich mittels einer Kontaktgruppe von fünf westlichen Staaten – Bundesrepublik Deutschland, Vereinigte Staaten, Großbritannien, Frankreich und Kanada – in den Verhandlungsprozeß ein. Das führte zu einer Übereinkunft, die Wahlen vor Verkündung der Unabhängigkeit vorsah und die in die UN-Resolution 435 mündete.