Mittenhinein in die Spardebatte kam das Testat des Finanzministers: Flicks Einstieg in den Gerling-Konzern war „förderungswürdig“. Damit hat der Industrielle, fürs erste, seine Steuerschuld um 120 Millionen Mark reduziert.

Daß Hans Matthöfer im August so gar nichts Haushalts-Wirksames geleistet hätte, läßt sich nicht mehr sagen. Auch wo es um Milliarden geht, sind 120 Millionen Geld. Nur, mit den Vorzeichen ist der Minister offenbar durcheinandergekommen. Wo er hätte sparen sollen, hat er Freizügigkeit walten lassen und auf jenes Geld, das er hätte haben können, verzichtet.

Schon durch diese Zutaten würde das Gericht pikant genug. Die Person des Begünstigten aber, Friedrich Karl Flicks eben, die Entstehungsgeschichte. des Falles und die Rechtfertigungsversuche machen das Ganze zu einem Leckerbissen für Liebhaber von Affären; politischer Affären, wohlgemerkt; ökonomisch gibt’s da nichts zu deuteln.

Der Reihe nach: Zum Jahreswechsel 1974/75 trennte sich Flick von einem großen Teil seiner Daimler-Benz-Aktien, für den schönen Erlös von 2,1 Milliarden Mark. Da die Papiere nur mit etwa zehn Prozent dieser Summe zu Buch standen, ergab sich ein Gewinn von etwa 1,9 Milliarden Mark – zu versteuern mit einem Satz von 56 Prozent.

Nun hat das Einkommensteuerrecht jenen mittlerweile berüchtigten Paragraphen 6 b, der besagt: Derartige Gewinne – bleiben unbesteuert, wenn sie auf „volkswirtschaftlich besonders förderungswürdige“ Weise wiederangelegt werden.

Die Sache hat wirtschaftlich Sinn; die Sache hat, marktwirtschaftlich betrachtet, Hautgout.

Der Sinn: Eine Volkswirtschaft muß, soll sie gesund bleiben, ständig neue Strukturen finden. Die Anpassung würde behindert, wären an sich sinnvolle Beteiligungswechsel in jedem Fall von prohibitiv wirkenden Steuerforderungen bedroht. Steuerforderungen, die auch deshalb so hoch sind, weil Beteiligungen aus Gründen des Gläubigerschutzes in den Büchern stets niedrig bewertet werden, bei Veräußerungen also hohe „Buchwerden, entstehen.