Die Zinsen für Spareinlagen geraten ins Gerede. Ob auch in Bewegung, werden schon die nächsten Tage zeigen. Es wäre schon lange an der Zeit gewesen, sie dem in den letzten Monaten gestiegenen Zinsniveau anzupassen. Wenn dieses Thema bisher von den Kreditinstituten eisern totgeschwiegen worden ist, dann wegen ihrer zum Teil prekären Ertragslage. Sie wollen ihre Geldeinstandskosten so niedrig wie möglich halten.

Der aufgeklärte Sparer macht allerdings diese Politik nicht mit. Er will nicht Schlußlicht spielen, wenn an anderer Stelle zwölf Prozent Zinsen und mehr zu kassieren sind. Kein Wunder, wenn die Sparkonten geplündert werden, um in hochverzinsliche Anlagen hinüberzuwechseln. Seit Jahresbeginn sind mehr als 30 Milliarden Mark von den Sparkonten abgezogen worden.

Der Abfluß fand in erster Linie bei Konten mit höheren Guthaben statt. Der Kleinsparer kümmert sich nicht darum, wie er mit seinen Guthaben mehr als die üblichen fünf bis sechs Prozent Zinsen bekommen kann. Und auf diese Trägheit bauten bisher Banken und Sparkassen. Niemand drängte sie dazu, Spareinlagen marktgerecht zu verzinsen, am allerwenigsten die Politiker. Sie wissen schließlich, daß jede Sparzinserhöhung bei den Sparkassen sehr rasch auf die Hypothekenzinsen durchschlagen muß. Der dann entstehende Ärger ist mit Sicherheit größer als eine unterlassene Besserstellung der (dummen) Sparer.

K. W.