Inzwischen – so die österreichische Staatspolizei – hätten auch die Aussagen der beiden Terroristen die PLO salviert. Am Dienstag konnte Kreisky während des allwöchentlichen "Pressefoyers" am Ballhausplatz berichten, daß der Synagogen-Anschlag auf das Konto der sogenannten "Abu Nidal"-Abtrünnigengruppe (Al Assifa – "Der Sturm") ginge, "zu der sich die Täter eindeutig bekennen". Ihr Motiv – so Innenminister Erwin Lanc – war ein doppeltes: "Sie wollten einmal ein sichtbares Zeichen der Ablehnung gegen die PLO-Führung setzen, zum zweiten der Politik der österreichischen Bundesregierung einen Schlag versetzen, die auf Ausgleich zwischen Palästinensern und Israelis zielt."

Überhaupt sieht sich Bruno Kreisky (der der jüdischen Gemeinde erst zwei Tage nach dem Gemetzel kondolierte) als eigentliches Opfer des Attentats – und als Zielscheibe einer "niederträchtigen" Regierung in Jerusalem, die seine PLO-freundliche Politik als den wahren Schuldigen ausmachte: "Ich verstehe diese hysterische Reaktion nicht." Am Dienstag belehrte er die Journalisten am Ballhausplatz: "Ich habe die eigentliche Ursache des Nahost-Konflikts sehr früh erkannt, und seitdem haben alle europäischen Regierungen die Richtigkeit dieser Politik bestätigt – das ist nicht uninteressant. Nun werde ich von beiden Seiten bekämpft."

Nicht nur von den "beiden Seiten" im Nahost-Konflikt. Kurz vor der Attacke auf die Seitenstetten-Synagoge veröffentlichte der Wiener Kurier die Ergebnisse einer Umfrage, die Kreiskys Nervosität vielleicht besser erklärt als die Angriffe der "extremistischen Gruppen außerhalb der PLO", die den Friedensprotest "konterkarieren wollen": Gut zwei Drittel aller Österreicher ist des Kanzlers Nahost-Engagement "zu viel"; er solle sich lieber um inländische Probleme kümmern. Der Kanzler aber beharrt darauf, daß seine Politik dem Lande "sehr, sehr viel" Nutzen eingebracht habe. Und: "Das Attentat ist nicht symptomatisch." Einige seiner rührigen Wähler meinen aber doch, daß der Wahnsinn Methode haben könnte – wie etwa das Detektiv-Büro Penk-Lipovsky, das am Dienstag per Inserat in der Presse "Personenschutz für jüdische Mitbürger" anbot.