Auf der diesjährigen Hauptversammlung der Hapag-Lloyd AG, Hamburg-Bremen, mußte sich deren Vorstand heftige Kritik an seiner Unternehmenspolitik gefallen lassen. Schließlich hat sie dazu geführt, daß nun schon zum zweitenmal keine Dividende gezahlt worden ist. Auch für 1981 sind die Aussichten nicht rosig.

Der Kurszettel der deutschen Börsen kennt nur noch drei Reederei-Aktien, nämlich die von Hapag-Lloyd, der Sloman Neptun Schiffahrts-AG, Bremen, und der Deutschen Dampfschifffahrts-Gesellschaft „Hansa“ in Bremen, deren Liquidation sich dem Ende zuneigt.

Bei allen drei Unternehmen geben bzw. gaben Großaktionäre den Ton an. Sie bestimmen den Kurs. Dennoch sind die Aktien der drei Gesellschaften beliebte Spekulationspapiere. Und da die Liebe zur Schiffahrt mit der Entfernung zum Meer zu wachsen scheint, wohnen die eifrigsten Spekulanten in Schiffahrts-Aktien küstenfern. In Norddeutschland weiß man längst, daß nicht in, sondern an der Schiffahrt verdient wird.

Motor der diesjährigen Spekulation ist der steigende Dollar. Die Käufer von Hapag-Llöyd- und Sloman-Neptun-Aktien erinnerten sich, daß die schlechten Unternehmensergebnisse der Vorjahre in erster Linie mit der anhaltenden Schwäche des Dollar gegenüber der Mark begründet worden waren, ein Argument, das jetzt – da der Dollar steigt – in die entgegengesetzte Richtung wirken muß.

Der Kurs der Sloman-Neptun-Aktien ist von seinem diesjährigen Tiefpunkt von 121 Mark auf vorübergehend 230 Mark geklettert. Das bewirkten vorsichtige Andeutungen des Vorstandes auf der Hauptversammlung, nach denen die Wiederaufnahme der Dividendenzahlungen für 1981 zumindest nicht völlig ausgeschlossen ist.

Der Hapag-Lloyd-Kurs stieg von 59 auf 78 Mark, ist jetzt aber wieder auf 70 Mark zurückgefallen. Vorstandssprecher Hans Jakob Kruse sieht für 1981 zwar Anzeichen einer Besserung. Aber zu mehr Optimismus war er auf der Hauptversammlung nicht bereit. Reedereiexperten gehen aber davon aus, daß der gestiegene Dollar-Kurs dem Unternehmen zwischen 80 und 100 Millionen Mehreinnahmen bringen könnte.

Aber wird ein solcher Betrag bis zur Dividende durchschlagen? 1980 leistete sich Hapag-Lloyd immerhin einen Betriebsverlust von mehr als 100 Millionen Dollar. Er konnte durch Sondererträge (Auflösung stiller Reserven) auf einen Bilanzverlust von 21,6 Millionen Mark vermindert werden. Dieser wurde wiederum durch Entnahmen aus der gesetzlichen Rücklage ausgeglichen. Auf diese Weise, so heißt es im Geschäftsbericht, wird der Gestaltungsspielraum für kommende Rechnungsperioden weniger eingeschränkt als durch den Ausweis eines Verlustvortrages.