Zu einer neuen Serie in den Dritten Fernseh-Programmen

Von Karl-Heinz Janßen

Bayern hat sich – abermals – von der deutschen Fernsehnation abgespalten. Zehn Millionen Bundesbürgern unter weißblauem Himmel wird das große Fernsehereignis vorenthalten, das von Montag an ein Vierteljahr lang in den Dritten Programen der ARD ausgestrahlt und nach "Holocaust" der spektakulärste Nachhilfeunterricht in Zeitgeschichte für jedermann werden soll: "Der unvergessene Krieg". Vierzig Jahre nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion kann sich die halbe Nation in fünfzehn Folgen den blutigsten und folgenschwersten Krieg dieses Jahrhunderts noch einmal vorführen lassen – allerdings so, wie ihn die andere Seite sieht oder gesehen haben will.

Der Westdeutsche Rundfunk hat das Bildwerk nicht von den Sowjets, sondern – über einen deutschen Zwischenträger – von den Amerikanern gekauft (für 1,1 Millionen Mark). Es handelt sich nämlich um ein amerikanisch-sowjetisches Gemeinschaftsprojekt, entstanden in einer Zeit, als die Rosen der Entspannung noch nicht verwelkt waren (sogar das State Department gab 1976 seinen Segen dazu). Die Komplizenschaft der amerikanischen Schutzmacht hat freilich einige Gruppen in diesem Lande – von den Soldatenverbänden bis zu den Heimkehrern – nicht davon abgehalten, gegen den Film laufen? weil er "Wehrwillen und Verteidigungsbereitschaft" herabsetze. Eine Demoralisierung der westdeutschen Bevölkerung gar, vor allem der Jugend, befürchtet der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Paul Röhner: "Dienen wir mit der Ausstrahlung des Films nicht der Verherrlichung des Sowjetsystems und besonders der überwältigenden Stärke der Sowjetarmee als derjenigen, die in Afghanistan einen blutigen Unterdrückungskrieg führt?"

Nach diesen Attacken aus der deutschnationalen Ecke lag die Vermutung nicht fern, die Motive des Bayerischen Rundfunks könnten ähnlich politisch eingefärbt sein. Aber die politischen und wissenschaftlichen Bedenken der Münchner Redakteure (Heinz Werner Hübner, Programmdirektor des Westdeutschen Rundfunks, der die ARD-Serie betreut, empfand die Vorwürfe als "unfreundlichen Akt" und als "Tritt vor das Schienbein") waren keineswegs aus der Luft gegriffen, sondern sachlich begründet, wie sich bei näherer Betrachtung rasch herausstellt:

1. Vorwurf: Die Film-Serie ist keine amerikanisch-sowjetische "Koproduktion", sondern "sowjetrussische Propaganda"; nur "in verschwindend geringem Umfang" wurde amerikanisches Material benutzt.