Einer weiteren Pleite im Reiseveranstaltergeschäft fielen in diesen Tagen erneut ahnungslose Urlauber zum Opfer. Mehr als 1000 Deutsche mußten im Ausland um ihre Rückflüge bangen.

Über vier Tage warteten die 261 Gäste des Stuttgarter Reiseunternehmens „Plan Orion Urlaubsflug“ im marokkanischen Tanger auf ihren Rückflug, bis zwei Sondermaschinen der Hapag Lloyd die Gestrandeten zurückholten. Die „Royal Air Maroc“, mit deren Charterflugzeug die Deutschen eingeflogen waren, wollte Passagiere nicht mehr fliegen, da „Plan Orion Urlaubsflug“ inzwischen Pleite gegangen war.

Zwanzig Stunden vor der Rettungsaktion der Bremer Charterflieger hatte das Auswärtige Amt zur Krisenberatung gerufen: Die Reiseindustrie wurde gebeten, die gut 1000 festsitzenden Kunden des zusammengebrochenen Unternehmens nach Hause zu transportieren. In der Türkei, in Griechenland und Portugal kamen die Betroffenen auf freie Plätze in den Maschinen jener 56 Reiseunternehmen, die an der „Solidaritätshilfe“ des Deutschen Reisebüro Verbandes teilnehmen. Probleme gab es in Marokko. Die drei Branchengrößten TUI, NUR und ITS bestellten schließlich den Hapag-Jet, er flog zum Vorzugspreis von 150 000 Mark.

Die spektakuläre Pleite – die fünfte innerhalb kurzer Zeit – beruht auf Mismanagement. Im Januar letzten Jahres kalkulierte Plan Orion-Manager Henrik Gang mit der neuen Charterfluglinie „Atlantic“ und belegte ein Kontingent von über 20 000 Flugsitzplätzen. Doch „Atlantic“ hob nie die Schwingen. Deshalb mußte Gang kurz vor Beginn der neuen Saison mit anderen Fluggesellschaften verhandeln. Diese halfen zwar, forderten dafür aber gesalzene Preise. Mehrkosten insgesamt: 2,86 Millionen Mark. Ein Debakel zeichnete sich ab, aber die im deutschen Tourismus unerfahrenen Gesellschafter – die zu einer schottischen Stahlbaufirma gehörende Randfurly Leisure Ltd. der Gebrüder Ramsey und Mark Dykes (51 Prozent), die Schweizer Touristikunternehmen Skilatours (20 Prozent) und Gruppenreisen AG (vier Prozent) sowie Henrik Gang (25 Prozent) selbst – steuerten immer wieder Bargeld bei, um die Verbindlichkeiten im Ausland zu begleichen. Selbst 14 Tage vor der Pleite überwiesen die Glasgower Stahlhändler nochmals 150 000 Mark.

Die Management-Fehler zeugten neue Fehler. So wollten die Stuttgarter 1981 mit mehr Umsatz die Verluste von 1980 auffangen und orderten für den Sommer ein Riesenkontingent: 40 000 Flugsitzplätze. Aber nur 17 000 Reisende kauften ihren Ferien-Flugschein bei Plan Orion ein.

Parallel dazu ging ein anderes Unternehmen pleite, dessen Hauptgläubiger mit einer Viertel Million Mark die Firma Plan Orion war: die Frankfurter IKE-Reisen. Auch dieser Reiseveranstalter wurde von Gang als Hauptgesellschafter kontrolliert. Und wie bei IKE (wo Gang kein weiteres Geld mehr zuschießen wollte) zog sich der schwäbische Manager im Frühsommer auch bei Plan Orion zurück – allerdings auf sanften Druck der schottischen Brüder Dykes. Mehr noch – Randfurly Leisure stellte sogar Bedingungen: Gang mußte Darlehen im Wertvon 800 000 Mark in dem angeschlagenen Unternehmen lassen und blieb weiterhin persönlich haftbar über eine Millionen-Hypothek bei der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank.

Ein neuer „alter“ Manager kam: Klaus-Peter Köhnlein, der ein Vierteljahr vorher von Gang gefeuert wurde und nun den 25 Prozent-Anteil seines früheren Brötchengebers übernahm. Zu allem Überfluß hatten aber inzwischen auch die Reisebüros ihr Vertrauen in das Unternehmen verloren. Grund: Ein erbärmlich arbeitender Computer schickte am laufenden Band falsche Reiseunterlagen und ungenaue Rechnungen.