Die BASF-Tochtergesellschaft Wintershall wurde in der Ägäis fündig: Öl. Ein guter Anlaß, sich selbst einmal der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Es sei an der Zeit, so meinte der Vorstandsvorsitzende Heinz Wüstefeld, daß die Wintershall AG aus dem Schatten der Muttergesellschaft BA3F heraustrete. Dies als mutigen Alleingang eines aufmüpfigen Statthalters zu werten, wäre aber falsch. Richtig ist wohl eher, daß der vor einem Jahr vom Chemiekonzern BASF an die Spitze des Wintershall-Vorstands gesetzte Wüstefeld seine neue Aufgabe mit dem gezielten Auftrag übernommen hat, das Unternehmen ins rechte Licht zu setzen.

Da traf es sich gut, daß das Mineralölunternehmen Wintershall gerade etwas Neues zum Vorzeigen hatte – ein Ölvorkommen in der Ägäis. An ihm war zu demonstrieren, wie windfall Profits – aus der Förderung von Öl und Gas in der Bundesrepublik – sinnvoll zur Erschließung neuer Energiequellen eingesetzt werden können; aber auch, daß an der Ölförderung im Ausland noch Geld zu verdienen ist. Und das nicht zu knapp.

Das Ölfeld Prinos in der nördlichen Ägäis – zwischen der Stadt Kavala und der Insel Thassos – gelegen, ist nämlich schon eine kleine Perle. Neun Millionen Tonnen Öl können da, so vorsichtige Schätzungen, aus dem griechischen Meeresboden gefördert werden. Aber es können auch mehr sein. Wüstefeld schließt nicht aus, daß fünfzehn Millionen Tonnen zu gewinnen sind. Nimmt man nun das Mittel aus beiden Angaben – zwölf Millionen Tonnen also – dann hat man vermutlich eine gute Rechengrundlage.

Die Rechnung sieht dann so aus: Die zwölf Millionen Tonnen haben derzeit einen Wert von etwa sechs Milliarden Mark. Davon muß man die Investitionen und die laufenden Förderkosten abziehen. Dann verbleiben noch mindestens vier Milliarden Mark. Davon kassiert der griechische Staat 65 Prozent, 35 Prozent oder 1,4 Milliarden Mark behält das Förderkonsortium, an dem Wintershall mit 12,5 Prozent beteiligt ist. Der BASF-Tochter winkt damit ein Gewinn von 175 Millionen Mark.

Nicht berücksichtigt ist dabei, daß am Prinos das Gasfeld Kavala-Süd angeschlossen ist, das bei einem Vorrat von 900 Millionen Kubikmetern noch einmal einen Erlös von mindestens 300 Millionen Mark verspricht.

Mit den 175 Millionen Mark verdient Wintershall in Kavala zwar eine Menge Geld, bei weitem aber zu wenig, um in ein Großprojekt der Ölwirtschaft einzusteigen. Doch genau das hat die BASF-Tochter vor. Sie verhandelt derzeit mit der Regierung von Qatar am Persischen Golf über die Konzession für ein riesiges Gasfeld, bei dessen Ausbeute zugleich Öl gefördert werden könnte. Die Gasreserven gab Wüstefeld mit 800 Milliarden Kubikmetern an – das ist dreimal soviel wie das große holländische Gasfeld in Groningen –, die ölmenge wird auf 700 Millionen Tonnen geschätzt. Und dieses Öl hat es überdies in sich: Es hat keine schweren Bestandteile und bringt als Ausbeute 75 Prozent Benzin und 25 Prozent leichtes Heizöl – ideal für einen Markt, der keine schweren Produkte mehr haben will.