Die Autoimporteure in Großbritannien, sonst sehr für liberalen Warenverkehr, sind gar nicht mehr so begeistert vom Freihandel, wenn ihn ihre Kunden selbst praktizieren. Deshalb haben sie ihren Verband, die Gesellschaft der Autohersteller und -händler, in Marsch gesetzt, um die Regierung zum Abstellen des „Mißbrauchs“ zu drängen.

Einige tausend Autofahrer, niemand kennt ihre Zahl auch nur annähernd, erkühnen sich nämlich, ihre ausländischen Wagen selbst auf dem Kontinent abzuholen, weil sie auf diese Weise mehrere tausend Mark sparen können. Brüssel ist das Mekka dieser Privatunternehmer.

Für EG-Lieferanten ist die Insel ein lukrativer Markt. Sie verkauften allein im August, dem traditionell besten Monat, fast hunderttausend Autos, das entspricht über vierzig Prozent der Neuzulassungen.

Britische Zeitungen rechneten die beträchtlichen Summen vor, die der reiselustige Autokäufer mit seinem Trip über den Kanal sparen kann.

So kostet zum Beispiel ein Golf GTI in Brüssel um tausend bis zwölfhundert Pfund weniger als in Großbritannien. Der Käufer eines Renault 5 GTL zahlt statt 3700 bis 3800 Pfund nur dreitausend Pfund. Und das nach Entrichtung der Mehrwertsteuer und der besonderen Autosteuer von zehn Prozent, die vom britisch, Zoll in Harwich oder Dover erhoben wird.

Diese Spannen wurden auch nicht geringei, als der Wechselkurs des Pfundes stieg. Anstatt ihre Preise zu senken, sackten nämlich die Importeure, oft Töchter der Hersteller in Deutschland, Frankreich und Italien, die ..windfall Profits“ lieber ein. Der Staatskonzern British Leyland, der in den vergangenen zweieinhalb Jahren vier Milliarden Mark Verlust gemacht hat, vermerkt dankbar die rücksichtsvolle Preispolitik.

Ursprünglich war diese Form des „persönlichen Im-, ports“ nur für Briten gedacht, die einige Zeit auf dem Kontinent arbeiten und dann mit ihren dort erstandenen Autos auf die Insel zurückkommen. Aber im Grunde kann jeder, der in Großbritannien wohnhaft ist, ein Auto einführen, wenn der Typ von den britischen Behörden zugelassen ist. Immer mehr Leute gehen daher fremd, um Geld zu sparen.