ARD, Freitag, 11. September, 21.45 Uhr: „Auf der Suche nach der Welt von morgen – Die Revolution der Mikroelektronik“, Bericht von Rüdiger Proske

Wir vernehmen es allenthalben: Eine Revolution steht ins Haus, winzige Siliziumsplitter mit unvorstellbaren, gelegentlich gar intelligent genannten elektronischen Fähigkeiten werden unser Dasein verändern. Doch wie wir in der bevorstehenden Informationsgesellschaft leben werden, darüber erfahren wir bemerkenswert wenig.

Rüdiger Proske führt es uns jetzt vor, 45 Minuten lang, mit eindringlichen Bildern und Stellungnahmen von überwiegend amerikanischen Fachleuten: ein Leben, das sich hauptsächlich vor Bildschirmen abspielen wird, beängstigende Aussichten, begleitet jedoch mehr vom Technik-Optimismus der Experten als von Sorgen, die ihnen Proske zumeist vergeblich zu entlocken versucht.

Briefe, Bücher, Akten, Protokolle, selbst Zeitungen und Graphiken, alles, was mitgeteilt oder archiviert werden soll, wird auf Computertastaturen in Computerspeicher getippt und bei Bedarf an Computerschirmen sichtbar gemacht. Zu Konferenzen brauchen die Teilnehmer nicht mehr zu reisen, sie finden weltumspannend vor Fernsehschirmen statt. An Bildschirmen werden die Industrieroboter überwacht, die in den Fabriken die Arbeit tun.

Neu ist das alles nicht. Aber noch rufen die Wunder der Mikroelektronik eher Staunen hervor, weil die meisten von uns so wenig damit zu leben haben wie die Menschen um die Jahrhundertwende mit den ersten Automobilen. Doch „die Tentakeln der digitalen, und das heißt der von Computern aufbereiteten und aufbereitbaren Information, beginnen sich bis in den Bereich jedes einzelnen vorzuschieben“ (Proske). Bezeichnend hierfür ist der sprunghaft zunehmende? Absatz von Mikrocomputern an Gewerbetreibende und Hobbyisten. In den USA gibt es längst Datennetze für Heimcomputer, deren Benutzer Programme austauschen, einander papierlose Briefe schreiben und von Infobanken Nachrichten aller Art abfragen.

So wie wir heute über Fernsprechleitungen miteinander verbunden sind, wird morgen die Welt von einem Netz aus Kommunikationsschienen durchzogen sein, auf denen sämtliche Informationsprozesse ablaufen, Telephon, Fernsehen, Bankgeschäfte, der Einkauf der Hausfrau wie die Order eines Reeders. Das führt zur Dezentralisation der Arbeitsplätze. Denn wer muß noch ins Büro gehen, wenn er die Büroarbeit am Computer daheim verrichten kann.

Und zu Hause am Terminal, so prophezeit der US-Informatiker Michael Dertouzos, können auch Behinderte berufstätig sein. Allein dadurch würden in den USA fünf bis sechs Millionen Menschen dem Arbeitsmarkt zugeführt. Nur – wird er sie aufnehmen können?