Die Dame ist in Gefahr. Das Panorama europäischer Regierungen könnte nächste Woche wieder langweiliger, männlicher werden. Die Ärztin Gro Harlem Brundtland kann kaum noch hoffen, nach den Wahlen weiter norwegische Ministerpräsidentin zu bleiben.

Die norwegischen Sozialdemokraten haben alles mögliche getan, um in der Gunst der Wähler zu bleiben. Sie haben zu verstehen gegeben, daß sie beim Nato-Doppelbeschluß den Verhandlungsteil stärker betont wissen möchten. Sie haben amerikanische Vorratslager statt in dem empfindlichen, an die Sowjetunion grenzenden Norden des Landes im Süden angelegt. Sie haben eine kernwaffenfreie Zone der Nord-Länder erneut ins seitdem heftige Gespräch gebracht. Und sie haben schließlich die alte Parteiführung ausgewechselt: Frau Brundtland ist eine sehr attraktive Frau, „eine Präsidentin fürs Fernsehen“.

Das scheint alles nichts genützt zu haben. Am 14. September werden entweder die norwegischen Sozialdemokraten oder die norwegischen Meinungsforscher eine Schlappe erleiden: Dazu der einstige Parteichef Steen: „Gerade die Deutschen sollten das ja verstehen. In dieser Zeit des Nullwachstums bläst allen regierenden sozialdemokratischen Parteien der Wind ins Gesicht.“ Der Wind will und will sich nicht drehen. Leo