Nachdem, die Erhöhung der Postgebühren endgültig beschlossen wurde, müssen sich die Manager des einst so renommierten Frankfurter Versandhauses nachsagen lassen, Postminister Kurt Gscheidle habe die Handelsherren für dumm verkauft.

Im August hatten die Neckermänner auf einer ganzseitigen Anzeige im Massenblatt Bild zum Preis von über 223 000 Mark gegen die geplanten Gebührenerhöhungen bei der Post getrommelt. Motto der Anzeigenaktion: „Wollen Sie uns für dumm verkaufen, Herr Gscheidle?“ Die Kampagne gegen den Postminister half nichts. Letzte Woche folgte auch der Postverwaltungsrat – besetzt mit Vertretern von Bundestag, Bundesrat, Gewerkschaften und Wirtschaft – den Gebührenplänen des Postministers. Nun könnte nur noch das Bundeskabinett ändern, was Neckermann mit Hilfe von Bild verhindern wollte.

Zum 1. Juli nächsten Jahres werden die Gebühren im sogenannten gelben Postsektor (Briefe, Päckchen, Pakete) angehoben. Der Fernmeldebereich war von vornherein ausgeklammert, weil dieser gewinnträchtige Sektor ohnedies schon jahrelang über Gebühr zum Unterhalt der defizitären Gelben Post herhalten mußte.

Allein die Pakete werden nun zwischen fünf und dreißig Prozent teurer. Grund genug für die Versender, laut zu lamentieren, denn die großen wie die kleinen Unternehmen bedienen sich zum Versand ihrer Waren der Post. Neckermann schätzt, daß die Gebührenerhöhung zu einer jährlichen Mehrbelastung von knapp dreißig Millionen Mark führen wird. Das ist bitter, denn die Tochtergesellschaft von Karstadt schreibt ohnehin tiefrote Zahlen. Und der Branchenerste, die Fürther Quelle, errechnete eine Mehrbelastung von rund hundert Millionen Mark – fast der Jahresgewinn von 1980.

Besonders betroffen sind indes die vielen kleinen Versandhändler. Beim Bundesverband des Deutschen Versandhandels wird die zusätzliche Belastung für die Unternehmen auf sieben bis zehn Prozent des Umsatzes beziffert. Bei einer Gewinnspanne von rund drei Prozent des Umsatzes kann die zusätzliche Belastung nur auf den Kunden überwälzt werden.

Gleichwohl muß der Paketdienst auch weiterhin subventioniert werden. Vier Mark mußte die Post bisher bei jedem Paket zuschießen. Zusammen etwa eine Milliarde Mark erhielt der heimische Versandhandel so bislang als versteckte Subvention. Deshalb bestreitet der Bundesverband des Deutschen Versandhandels, dessen rund hundert Mitglieder immerhin achtzig Prozent des gesamten Branchenumsatzes von über achtzehn Milliarden Mark erzielen, auch nicht, „daß sich auch die Bundespost den gestiegenen Kosten anpassen muß“.

Die regelmäßig wiederkehrende Warnung der Branche, man werde den Pakettransport notfalls in private Hände legen oder ihn gar selbst organisieren, ist bisher eine leere Drohung gewesen. Zwar behauptet Neckermann auch jetzt wieder, unabhängig zu werden. Substanz hat die Drohgebärde des Unternehmens aber nicht. Einen Umschlag von zehn Millionen Paketen im Jahr umzuorganisieren, kostet nicht nur gute Ideen, sondern vor allem sehr viel Kapital. Auf kurze Sicht jedenfalls gibt es für die Versandhändler keine Alternative. Nur einem ist bisher wirklich gelungen, sich von der Post abzunabeln: dem Otto-Versand in Hamburg (siehe „Pakete von Hermes“).