In den letzten Tagen hat sich die Zinsschraube weiter gedreht. Mit Papieren kurzer Laufzeiten lassen sich bereits Renditen um dreizehn Prozent erzielen. Die neue Bundesanleihe ist mit einem Nominalzinssatz von 10,75 Prozent ausgestattet worden. Noch nie hat der Bund so tief in die Tasche greifen müssen.

Wer Geld anzulegen hat, befindet sich in einer beneidenswerten Lage. Noch nie hat er so hohe Zinsen kassieren können wie jetzt. Schwer drückt jedoch die Qual der Wahl: Womit wird besser gefahren? Mit Papieren kurzer oder langer Laufzeit?

Die Anlageberater der Banken vertreten unterschiedliche Ansichten. Der Börsendienst der Volksbanken empfahl am Wochenbeginn, zunächst noch weiter auf kürzerlaufende Titel zu setzen. Dagegen gibt die Bayerische Landesbank zu bedenken, wie vorteilhaft es ist, sich jetzt über zehn Jahre einen hohen Zins zu sichern. Wer heute ein einjähriges Papier mit einer Rendite von 12,5 Prozent erwirbt, müßte in den darauffolgenden neun Jahren jährlich knapp 10,3 Prozent kassieren, um den gleichen Anlageerfolg zu haben wie bei einem zehnjährigen Papier mit 10,5 Prozent Rendite. Inzwischen ist diese Rechnung schon überholt. Die neue Bundesanleihe bringt bereits eine Rendite von 10,88 Prozent; bei Pfandbriefen lassen sich gelegentlich sogar schon elf Prozent „machen“.

Kein Wunder, wenn die neue Bundesemission – wie ihre Vorgängerinnen – zu einem Flop geworden ist. „Ihre Unterbringung wird einige Schwierigkeiten bereiten“, untertreibt die Deutsche Bank. Tatsache ist, daß das private Publikum dieser nicht marktgerechten Emission die kalte Schulter zeigt. Nur unkritische Kunden sind dabei.

Bei den Großanlegern sieht die Rechnung besser aus. Sie können die Bundesanleihe verbilligt erwerben und kommen dann auf eine Rendite von 11,09 Prozent. Einige Konsortialbanken sind sogar bereit, auf einen weiteren Teil der Bonfikation zu verzichten, um ihre Rentenbestände nicht weiter aufstocken zu müssen.

Mit großer Begeisterung gehen aber auch die Lebensversicherer an die Bundesanleihe nicht heran. Sie sind – so heißt es – eher an den hochverzinslichen Pfandbriefen interessiert. Nicht so sehr wegen der etwas besseren Rendite, sondern mit Blick „auf eine bessere Ausgewogenheit der Bestände“. Der dominierende Anteil staatlicher Papiere wird einigen Anlagemanagern allmählich zum Alptraum.

Warum – das sagte auf der letzten Hauptversammlung der Albingia AG, Hamburg, deren scheidender Vorstandsvorsitzender, Jobst von der Meden. Er warf die Frage auf, ob es die Lebensversicherer vor ihren Versicherten noch länger verantworten können, ihre Gelder einseitig in öffentlichen Nominalwerten anzulegen. Eine Äußerung, die im Bundesfinanzministerium gar nicht gefiel. Und das ist verständlich. Nach der bisherigen Planung sollen in diesem Jahr die Lebensversicherer schließlich rund fünfzehn Milliarden Mark zur Defizitfinanzierung der öffentlichen Hände beitragen.