Die Schönen und der schäbige Rest

Die Männer sind nicht schön genug – behauptet eine Professorin für Zoologie. Und will Abhilfe schaffen.

Nicht mal auf Schlagertexte ist heutzutage noch Verlaß. Da sang doch vor gar nicht langer Zeit diese Frau mit der durchdringenden Glaubwürdigkeit in der Stimme, ein Mann müsse nicht immer schön sein, darauf komme es gar nicht an... Doch das war Lüge, alles Lüge.

Wie es um die Sache wirklich steht, Männer, und wie wir uns da, wohl allzu gern, haben einlullen lassen, das enthüllte jetzt in schonungsloser Offenheit die Zoologin Patricia Monaghan, Professorin an der Universität Glasgow, in einem Beitrag für den New Scientist. Der Phänotyp des Mannes, so stellt sie mit der Autorität wissenschaftlicher Satire fest, habe sich sehr zu seinem Nachteil verändert, die männliche Qualität lasse nach. Es gebe zu viele Kurzbeinige, Dickbäuchige, Glatzköpfige, Schweinsäugige, ganz zu schweigen von jenem Horrortyp, bei dem – wie Patricia Monaghan es scheinbar mitfühlend umschreibt – "das alles zusammenkommt".

Also kurz und schmerzhaft: Wir Männer sind nicht schön genug. Es ist zu befürchten, daß der Schock dieser Erkenntnis manchen Mann auf seinem Wege zum Softy um Jahre zurückwerfen wird. Wenig Trost zieht man als tief Betroffener aus der Bemerkung, mit der die zoologische Fachfrau ihre Feststellung immerhin ein bißchen relativiert: Es gebe durchaus noch ein paar charmante und attraktive Männer, aber der Vorrat sei eben verdammt knapp ...

Dies sei, so glaubt Patricia Monaghan auf Grund wissenschaftlicher Forschungen mit Recht vermuten zu dürfen, nicht immer so gewesen. Aus unseren hominidischen Urahnen seien einst, mit ein bißchen Hilfestellung von Seiten der Frauen, durchaus ansehnliche männliche Exemplare der Gattung hervorgegangen – attraktiv, kooperativ, gut zu Kindern, lernfähig, tüchtig in der Selbstverteidigung wie auf der Jagd. Nur, so fragt sie, wo stecken die Burschen heute? Und: Muß man es denn bei diesem unerfreulichen Zustand belassen?

Nein, man muß nicht. Es gibt Mittel und Wege, den Mängeln im männlichen Erscheinungsbild unserer Tage abzuhelfen. Patricia Monaghan macht uns das an Beispielen aus der Welt der Wirbeltiere plausibel, wo die großen und schönen Männchen unverhältnismäßig oft jenes Vergnügen haben, das der Fortpflanzung vorausgeht, während die kleinen und häßlichen nicht selten zur Abstinenz verdonnert sind.

Meine Herren, Sie gehen recht in der Annahme: So ungefähr möchte die listige Patricia das auch mit uns machen. Schöne Männchen werden hervorgebracht mittels sexueller Selektion. Schon Darwin hat gewußt, daß die Prachtexemplare dank ihrer Macht, die Damenwelt zu bezaubern und die Konkurrenz aus dem Feld zu schlagen, einen Paarungsvorteil haben. Das müßte man nur ein bißchen ausbauen. Kein Problem im Zeitalter der künstlichen Insemination. Was Patricia vorschwebt, ist ein System der Vielweiberei auf der Basis der Damenwahl.

Die Schönen und der schäbige Rest

Und das könnte etwa so funktionieren: Auf einem großen kommunalen oder gar nationalen Kontakthof versammeln sich die Schönsten und Besten der Spezies, um die Vorzüge ihrer Männlichkeit zu demonstrieren – ganz zwanglos, wer immer will, mag sein Glück im Fortpflanzungsrennen probieren. Die Sache ließe sich per Fernsehen übertragen, so daß die Frauen bequem im Wohnzimmersessel zu Hause ihre Wahl treffen könnten. Sobald sie ein Kind wünschen, drücken sie den dafür vorgesehenen Knopf, teilen dem Computer ihre Ansprüche hinsichtlich der Vaterqualitäten mit, und schon erscheint eine Auswahl geeigneter Kandidaten auf dem Monitor. Ist die Entscheidung für einen bestimmten Mann gefallen, kümmert sich die Abteilung für künstliche Insemination um alles weitere.

Man könnte die Methoden noch verfeinern, indem man etwa nach Art des Fußballs Tabellen einrichtet, eine Liga der Männer erster Klasse. Für jeden Einsatz erhält der Mann zwei Punkte, und wer den Ansprüchen nicht genügt, wird automatisch aussortiert, steigt ab, sozusagen.

Patricia Monaghan legt Wert auf die Feststellung, daß dieses System selbstverständlich nur dem Zwecke der Fortpflanzung dienen soll. Sie hat ein Herz auch für den schäbigen Rest der Männer: Die dürfen weiterhin mit den Frauen verkehren, sofern Folgenlosigkeit garantiert ist. Als Reserve-Gockel und Surrogat-Väter sind sie noch willkommen.

Männer, Leidensgenossen – der Unterzeichnete gesteht, daß er spätestens an dieser Stelle schreien möchte. Doch: Ich traue mich nicht – angesichts der Gefahr, wegselektiert zu werden. Das Weib, das mir über die Schulter blickt, hat drohende Haltung eingenommen:

Noch ein Wort – und ich bin ein Ersatzmann. Aloys Behler