Die Tagebücher des Grafen Ernst A. Heinrich von Lehndorff (1727–1811), Kammerherr am Hofe Friedrich des Großen, erschienen (übersetzt aus dem französischen Original) zum erstenmal 1906. In der fünften Folge ist die Rede von desertierenden Sachsen, die keine Lust hatten, unter Friedrich II. zu dienen. Der Siebenjährige Krieg dauert bereits ein knappes Jahr.

14. März 1757

Ich seufze über mein unnützes Dasein; allein wenn man ein solcher Müßiggänger ist, wie ich es unglücklicherweise bin, so darf man wenigstens die gesellschaftlichen Pflichten nicht verabsäumen; denn wollte man sich ganz der Lektüre und dem Studium widmen, was ja ziemlich nach meinem Geschmack wäre, so würde man zum Pedanten, und das wäre noch hundertmal dümmer, als es von Hause aus zu sein.

25. März 1757

Abends erzählt man mir bei Hof eine tragische Geschichte; Eine alte Generalin Dockum hatte ihrer Kammerfrau versprochen, ihr im Testament 200 Taler zu vermachen. Da sie ihr zu lange lebte, wollte dieses Geschöpf sie heute Nacht erdrosseln, die Alte aber schrie so laut, daß man ihr zu Hilfe kam und die Mörderin festnahm.

30. März 1757

Den Abend verbringe ich bei der Marschallin Schmettow, wo alles sehr über die Nachricht aufgebracht ist, daß zwei Bataillone jener Sachsen, die man bei der Einnahme von Pirna gefangen genommen und aus denen man die Regimenter Loen und Bevern formiert hatte, davongelaufen seien und geradewegs nach Polen marschierten.