Nach außerirdischen Zivilisationen suchen Astronomen schon seit 20 Jahren – bisher vergeblich. In den letzten Jahren wurden nun die Schätzungen über die Wahrscheinlichkeit von Nachbarn im All deutlich nach unten revidiert. Stritten sich die Experten in den sechziger Jahren noch darüber, ob die’nächste technologische Zivilisation zehn oder (höchstens) 1000 Lichtjahre weit entfernt ist, so lautet die Frage nun eher: Sind wir vielleicht die einzigen, und wenn ja, warum? Jede Erklärung, warum die Menschheit einmalig sein soll, stößt gegen das „Problem der großen Zahl“: Wenn es, wie angenommen, fast eine Milliarde im Prinzip bewohnbare Planeten in unserer Galaxie gibt, dann müssen Mechanismen zur Verhinderung außerirdischer und technisch wahrnehmbarer Intelligenz zuverlässig und unabhängig voneinander an sehr vielen verschiedenen Orten (und Zeiten) funktionieren. Der kanadische Physiker J. N. Clarke von der Universität Toronto hat jetzt im Fachblatt Icarus einen Vorschlag unterbreitet, der die Annahme eines solchen lokalen Wirkungs- (oder besser: Verhinderungs-) Mechanismus vermeidet, aber auch dem Problem der großen Zahl aus dem Weg geht. Clarkes Mechanismus stützt sich auf eruptive Aktivitäten des galaktischen Zentrums. Solche Ereignisse im Mittelpunkt unserer Galaxie können im Schnitt alle hundert Millionen Jahre für die Dauer von einer Million Jahre die gesamte Galaxie mit energiereichen Teilchen und Strahlen überschütten. Auf der Erde würde dies die Ozonschicht zerstören und – wegen der dann eindringenden UV-Strahlung und einer durch kosmische Strahlung erhöhten Radioaktivität – auch jedes Leben. Bleibt die Frage, wieso ausgerechnet die Erde diesen Ausbrüchen entkam. Da das Sonnensystem sich in regelmäßigen Abständen durch die einzelnen Spiralarme der Milchstraße hindurchbewegt, hätte es dort jeweils – durch zusätzliche interstellare Magnetfelder abgeschirmt – Zuflucht finden können. Zu unwahrscheinlich? Im Gegenteil, meint Clarke: „Wenn eine Reihe sehr unwahrscheinlicher Zusammentreffen für das Überleben einer intelligenten Rasse eintreten müssen, dann folgern wir, daß wir allein sind – und nicht, daß wir nicht existieren.“ Reinhard Breuer