Lange genug hat in den deutsch-deutschen Beziehungen Unterkühlung geherrscht. Seitdem der SED-Generalsekretär im vergangenen Oktober in seiner Geraer Rede die Erwartung enttäuscht hatte, das Verhältnis von Bonn und Ost-Berlin ließe sich aus der ost-westlichen Nach-Afghanistan-Vereisung heraushalten, reichte es kaum noch zur Routine. Doch kaum, daß sich etwas zu rühren beginnt, Briefe gewechselt werden, Besuche stattfinden und der langgeplante innerdeutsche Gipfel abermals in Sicht gerät, ist es so, wie es immer ist in deutschlandpolitischen Angelegenheiten: Spekulationen, Verdächtigungen und Erwartungen schießen ins Kraut.

Dabei gibt es eine Handvoll Einsichten, über die ohne Mühe Übereinstimmung herzustellen wäre: Gespräche sind und bleiben notwendig; Fragen der Rüstungsbeschränkung brauchen davon nicht ausgenommen werden, wenn die Partner sich von der Illusion frei halten, ausgerechnet die Deutschen beiderseits der Blockgrenze könnten da viel bewegen; die Senkung der Mindestumtauschsätze für Reisende in die DDR muß zu den Themen eines solchen Gipfels gehören.

Einfache Weisheiten, magere dazu, weiß Gott. Aber die deutsch-deutschen Beziehungen haben schon immer darunter gelitten, daß ihren spärlichen, mühsamen Möglichkeiten mehr aufgeladen wurde, an Hoffnungen und Befürchtungen, als sie zu tragen imstande sind. Muß das eigentlich immer so bleiben? Rdh