Antje Huber will Sojamehl als neuen Zusatz zu Fleischwaren zulassen

Fleisch- und Wurstwaren, von deutschen Landen frisch auf den Tisch, haben dank allerlei von der Chemie gebrauter Zutaten geschmacklich schon längst nicht mehr den Ruf, den sie einst weltweit hatten. Nun aber laufen sie Gefahr, auch noch den letzten Rest ihres verblaßten Ansehens zu verwirken. Der Qualitätsware von ehedem droht eine neue Zutat: die Sojabohne.

Bekömmlich und nahrhaft als Kraftfutter fürs Vieh, verwendbar als Zusatz für Farben und Firnisse, in gereinigter Form sogar als Nahrungsmittel wie Margarine genießbar, drängt die öl- und eiweißhaltige gelbbraune Bohne nun auch auf den Fleischmarkt. Und die Bonner Gesundheitsministerin Antje Huber hilft dabei tatkräftig mit.

Den Lobbyisten der Sojabranche jedenfalls ist nach jahrelangem Antichambrieren erstmals Erfolg beschieden. In einer „Verordnung zur Neuordnung lebensmittelrechtlicher Kennzeichnungsvorschriften“ ist vorgesehen, Sojamehl als Zusatz zu bestimmten Fleischerzeugnissen zuzulassen. Auf diesen Durchbruch warten die Erzeuger der Sojabohnen, die als landwirtschaftliches Anbauprodukt in Europa weitgehend unbekannt ist, in Amerika aber erstaunliche Profite abwirft, schon seit über zwanzig Jahren. Seit 1959 ist nämlich verboten, was Antje Huber nunmehr erlauben will, die Verfälschung von Fleischprodukten mittels Soja.

Die Fleischverordnung von 1959 sieht Fleischerzeugnisse nur dann als unverfälscht an, wenn sie etwa zum Binden, zum Panieren oder zur sonstigen küchenmäßigen Zubereitung Trockenprodukte enthalten, die entweder aus Eiern gewonnen werden oder aber aus Stärke, Semmeln und Mehl zusammengesetzt sind. Darüber hinaus dürfen sich auch tafelfertige Fleisch- und Gemüsemischungen, gängige Fertigprodukte mithin, dann unverfälscht nennen, wenn sie Getreideerzeugnisse, Hülsenfrüchte, Gemüse und Früchte enthalten. Daß diese Zusätze sich mengenmäßig in engen Grenzen halten müssen, versteht sich von selbst. Auch das ist penibel genau reglementiert.

Seit 1959 ist schon umstritten, wie die Verordnung auszulegen ist. Die Soja-Industrie interpretierte Mehl sei Mehl. Mithin dürfe auch Sojamehl verwendet werden, was die traditionellen Hersteller von Bindemitteln bestritten. Nachdem auch die mehrfach bemühten Gerichte keine endgültige Klarheit schaffen konnten, machte der Gesetzgeber 1978 schließlich mit der Ungewißheit Schluß. Eine Neufassung der Fleischverordnung schloß Soja- und Sojaerzeugnisse als Zutaten für Fleischerzeugnisse aus. Sojaprodukte entsprächen ebensowenig der Verbrauchererwartung wie dem Handwerks- und Gewerbegebrauch lautete damals unter anderem die Begründung. Überdies, bestehe die Gefahr, daß tierische Eiweiße durch Sojaeiweiß ersetzt würden. Just das aber sollte nicht sein. Sojamehl ist nämlich ein reines Pflanzeneiweiß.

Dennoch ließ die am Soja-Absatz interessierte Industrie in ihren Bemühungen nicht nach, doch noch an die begehrten Fleischtöpfe heranzukommen. Und Antje Huber gab nun ihrem Drängen endlich nach. Das Soja-Verbot soll künftig nicht mehr für „Fleischklöße, Fleischklopse, Frikadellen und Bouletten“ gelten. Ein Fünftel der zur Bindung oder Auflockerung der Klopse benötigten Zutaten darf aus Sojamehl bestehen.