DIE ZEIT

Amerika ist anders

Können Ideologien importiert werden? Die Linken hatten mit dem grenzüberschreitenden Doktrinen-Verkehr nie Probleme; das zeigt der weltweite Export der französischen Aufklärung (zum Teil mit Hilfe napoleonischer Bajonette), aber auch der Marsch des Marxismus von Deutschland über Rußland und China in die Dritte Welt.

Es tut sich was

Lange genug hat in den deutsch-deutschen Beziehungen Unterkühlung geherrscht. Seitdem der SED-Generalsekretär im vergangenen Oktober in seiner Geraer Rede die Erwartung enttäuscht hatte, das Verhältnis von Bonn und Ost-Berlin ließe sich aus der ost-westlichen Nach-Afghanistan-Vereisung heraushalten, reichte es kaum noch zur Routine.

Damen-Wahl

Die Dame ist in Gefahr. Das Panorama europäischer Regierungen könnte nächste Woche wieder langweiliger, männlicher werden. Die Ärztin Gro Harlem Brundtland kann kaum noch hoffen, nach den Wahlen weiter norwegische Ministerpräsidentin zu bleiben.

Lichter aus?

Ein Gericht hat die Benutzung sogenannter Kompaktlager verboten, in denen die Kraftwerksbetreiber ihre ausgewechselten Kernbrennstäbe sammeln wollten, weil es an Zwischenlagern fehlt.

Zeitspiegel

Auch mit der Einwilligung des Betroffenen dürfen Polizei und Justiz in strafrechtlichen Ermittlungsverfahren keinen „Lügendetektor“ einsetzen.

Worte der Woche

„Wir warnen die Völker von Sizilien, Griechenland, der Türkei und der Staaten am Mittelmeer, daß wir die Kernwaffendepots in ihren Ländern angreifen und eine internationale Katastrophe heraufbeschwören werden, wenn die USA noch einmal in der Großen Syrte angreifen.

Die Hoffnungen auf eine neue Politik sinken: Apartheid wie gehabt; Vertreibung von Schwarzen in die Homelands; Stillstand in Namibia, Angst vor Zimbabwe, das sich gut entwickelt.: Südafrika dreht sich im Teufelskreis

Für jemanden, der die letzten zwei Wochen in Südafrika und Namibia zugebracht hat, wo jedermann – die Weißen,-die Braunen und auch die Tiefschwarzen – überzeugt ist, daß Pretoria die Unabhängigkeit Namibias auf die lange Bank geschoben hat, war es höchst überraschend, am Tage der Rückkehr Alexander Haigs Statement zu Namibia in der Zeitung zu lesen.

Anschlag in Ramstein

Diesmal waren sich Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz rasch einig: Der Bombenanschlag vom Montag vergangener Woche auf den Kommandobereich des amerikanischen Nato-Flughafens Ramstein geht zu Lasten der „Roten Armee Fraktion“.

Die RAF und ihre Sympathisanten: Ausbruch aus der Isolation

Für Muammar Ghaddafi war die Lage sofort klar: Schon am Dienstag – einen Tag nach dem Bombenattentat in Ramstein (siehe unten „Nach Baaders Rezept“) – grüßte er aus Tripolis „das deutsche Volk, das seit gestern im Angriff auf US-Luftwaffenstützpunkte begriffen ist“.

Manöver in Ost und West

Sowjetische Zeitungen berichteten am Wochenende, daß fast 100 000 Soldaten an den Übungen teilnehmen, die zur Zeit unter der Bezeichnung „Westen 81“ an der Westgrenze der UdSSR stattfinden.

Polen: Grenze der Vernunft

Der Danziger „Solidaritäts“-Kongreß ging so weit, eine Volksabstimmung über die Form der künftigen Selbstverwaltung in den Betrieben zu verlangen.

Wehner – wieder nur Ahnungen, keine Gewißheit

Einen Augenblick lang war aus der Ahnung Gewißheit geworden. Herbert Wehner hatte gegenüber der Bonner Korrespondentin Hilde Purwin (Neue Ruhr-Zeitung), die er seit langem kennt und schätzt, angekündigt, er werde entsprechend dem Rat seiner Ärzte sein Amt als Fraktionsvorsitzender niederlegen.

Ägypten: Sadats „neue Revolution“

Diesmal wird es keine Gnade geben“, sagte Anwar el-Sadat, als er vor dem ägyptischen Parlament zwölf drakonische Erlasse bekanntgab, über die 11,9 Millionen Ägypter am Donnerstag in einem Volksentscheid abstimmen sollten.

UdSSR: Günstige Prognose

Vor nicht allzu langer Zeit gab der amerikanische Geheimdienst zu bedenken, ob der Westen sich nicht mehr schade als nutze, wenn er den Sowjets bei der Erschließung ihrer knapper werdenden Öl- und Erdgasreserven helfe.

Lernprozeß für Begin?

Fest steht allenfalls, daß zumindest Außenminister Haig und Verteidigungsminister Weinberger Begins Expansionsvorstellungen jene Sympathien verweigern, an die sich bisher zwanglos amerikanische Kredite und Waffenlieferungen anzuschließen pflegten.

Das dunkle Gewerbe

Sie ist uralt und doch immer noch attraktiv. Sie spielt im Halbdunkel, oft genug am Rande der Kriminalität oder gar mitten drin – doch das hat ihrer Faszination nie geschadet.

Prometheus war der erste...

Ursprünge pflegen – wie man weiß – im Dunkeln zu liegen. Doch für den Ägyptologen Arne Eggebrecht, Direktor des Pelizaeus Museums in Hildesheim, gibt es da keinen Zweifel: „Schwarzarbeit“ wurde schon im Alten Ägypten geleistet, wiewohl das Volk der Pyramidenbauer keinen adäquaten Begriff für „Arbeit“ kannte.

Schwarze Märkte für Arbeit

In der Bundesrepublik galt „Schwarzarbeit“ bisher als Kavaliersdelikt und Randerscheinung. In anderen Ländern wird dagegen treffender von einer „Wirtschaft im Untergrund“ gesprochen.

Neues Gesetz gegen alte Sünde

Schwarzarbeit, illegale Beschäftigung von Ausländern und illegale Vermietung von Arbeitnehmern – alle diese Erscheinungsformen der „Wirtschaft im Untergrund“ haben in den vergangenen Jahren alarmierende Ausmaße erreicht.

Richard Allen

Als Harry Truman vor mehr als drei Jahrzehnten den Nationalen Sicherheitsrat (NSC) ins Leben rief, hoffte er auf eine bessere Abstimung der außen- und militärpolitischen Entscheidungsprozesse seiner Regierung – zum Nutzen der Sicherheit Amerikas.

Nord-Süd: Heiter bis wolkig

Angeregt und beschlossen wurde das Treffen bereits 1979. Damals konnte niemand voraussehen, daß die Konferenz der Vereinten Nationen über die am wenigsten entwickelten Länder – sie begann vorige Woche in Paris – zwischen zwei wichtigen Gipfeln liegen würde: dem Weltwirtschaftsgipfel im kanadischen Ottawa vom Juli und dem Nord-Süd-Gipfel, der Ende Oktober im mexikanischen Cancun stattfinden soll.

Machen Wörter Politik?: Fließband-Sprache

Seit Fernand de Saussure kennen wir den Unterschied zwischen Sprache und Sprechen, zwischen langue und parole. Er ist beileibe kein bloß linguistisches Problem, wie auch Sprache nicht bloß Gegenstand der Philologie ist; von de Saussure leitet sich eine der mächtigen Modephilosophien unseres letzten Halbjahrhunderts her, der Strukturalismus, in dem gleichsam dogmatisiert auftritt, was bei einigem Nachdenken sich jedermann erschließt: daß es nämlich innige Verbindungen gibt zwischen Sprache und Erkenntnis, zwischen Sprache und Kommunikation.

Provozierende Polizisten

Zweihundert Chaoten unter 14 000 friedlichen Demonstranten haben es verstanden, eine vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in der vergangenen Woche veranstaltete Friedensdemonstration in Berlin wieder in eine Straßenschlacht zu verwandeln.

Wohin fuhr Walter Balke?

Das Ausfüllen von amtlichen Fragebögen macht mir nichts aus,“ Schwarz auf babyblau gedruckt lasen an die zweitausend Detmolder Bürger im Juni diesen Satz auf einem „Personenfragebogen“ des Münchener Forschungsinstituts „Socialdata“.

Zensierte Babys

Der Anzeigenleitung mißfiel der Text sehr. Sie schrieb: „Sehr geehrter Herr S., allerdings haben wir mit dieser Anzeige ein Problem.

Sinti protestieren: Nichts gewußt

Fünfunddreißig Jahre lang würde Aktenmaterial des NS-Rassehygiene-Instituts Berlin, das Volk der Sinti betreffend, mehr als nachlässig behandelt.

Falsche Parteibücher: Kuhhandel

Vieles erinnert an das antike Drama. Da werden Dolche gewetzt, Intrigen gesponnen, da schleichen sich Königsmörder an. Tatort ist ein neoklassizistisches Rathaus.

Wechsel auf die Zukunft

Gut Ding will Weile haben. Aber nicht alles, was lange währt, wird endlich gut. Die nun seit Monaten andauernde und seit Wochen hitzig geführte Debatte über die notwendigen Kürzungen in den öffentlichen Haushalten geht weiter.

Wohnungsbau: Vergeudete Milliarden

Daß der kleine Koalitionspartner FDP die viermal so große SPD übertölpelt, daran hat man sich beinahe gewöhnt. Warum sollte es dann ausgerechnet auf dem Felde der Wohnungspolitik anders sein? Viele Wähler mögen sich über die dreiste FDP ärgern, das wäre leicht zu ertragen, wenn am Ende der liberalen Verhandlungssiege vernünftige Entscheidungen stünden.

Steuerpolitik: Patentrezept

Über den vielen Schmähungen der Bonner Sparkommissare blieb ein wichtiger Aspekt bisher völlig unbeachtet; die positiven Nebenwirkungen der Beschlüsse.

Leiharbeit: Mißstand

Die einen sprechen von „Sklavenarbeit“ (IG Bau), die anderen vom „Bedürfnis der Arbeitnehmer nach individueller Beschäftigung“ (Bundesverband Zeitarbeit), Und beide haben wohl recht.

Abgeordnetendiäten: Schachzug

Bundestagspräsident Richard Studien hat in den letzten Wochen viel Ärger auf sich geladen, weil er höhere Bezüge für Bundestagsabgeordnete gefordert hat.

Unterhaltungselektronik: Imagepflege

Der Sound ist neu und mancher Hörer zupfte sich verwundert am Ohr: Von Deutschlands Manager der "Lust"-Elektronik sind derzeit ganz erstaunliche Töne zu hören.

Billiger aus Brüssel

Die Autoimporteure in Großbritannien, sonst sehr für liberalen Warenverkehr, sind gar nicht mehr so begeistert vom Freihandel, wenn ihn ihre Kunden selbst praktizieren.

Großbritannien: Gewerkschaften in der Klemme

Mitgliedschaft in der Gewerkschaft ist imimer noch die beste Versicherung für Werktätige und außerdem die billigste", befand Len Murray, Generalsekretär des Gewerkschaftsbundes, als er die gelichteten Heerscharen der organisierten Arbeitnehmer in Großbritannien musterte.

Österreich: Immer noch zweiter Sieger

Lange Zeit schien es so, als sei Österreich gegen die Krankheit immun, von der ringsum alle Nachbarländer befallen sind. Mit einer Arbeitslosenquote von 1,4 Prozent scheint die Alpenrepublik auch heute noch eine „Insel der Seeligen“ zu sein, wie ausländische Beobachter schwärmten, die die Vollbeschäftigungspolitik der Wiener Regierung bestaunten.

Lebensmittelrecht: In die Soja-Bohne verbissen

Fleisch- und Wurstwaren, von deutschen Landen frisch auf den Tisch, haben dank allerlei von der Chemie gebrauter Zutaten geschmacklich schon längst nicht mehr den Ruf, den sie einst weltweit hatten.

Lastwagen: Neue Marke, neue Manager

Beim deutschen Fußballmeister haben die Spieler das Trikot gewechselt: Der FC Bayern München wirbt in der neuen Bundesligasaison nicht mehr mit dem Magirus-Deutz-Schriftzug und dem stilisierten Ulmer Münster für den Lastwagenbauer.

Pakete von Hermes

Eintausendsechshundert Mitarbeiter und rund eintausend Fahrzeuge, die tagtäglich über 80 000 Pakete verteilen – rund dreißig Millionen im Jahr.

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