Der Tourismus in Italien steckt in einer Krise. Nach vorsichtigen Schätzungen haben in dieser Saison 15 bis 20 Prozent weniger Ausländer die Halbinsel besucht. Hauptgrund: die hohen Preise. Einziger Ausweg aus dieser Misere scheint deshalb die Abwertung der Lira zu sein.

Selbst ein unerwarteter Zustrom im September würde am schlechten Gesamtergebnis wenig ändern; erfahrungsgemäß bringt dieser Monat nur ein Zehntel des Jahresumsatzes, der August ein Viertel. Die Presse des Landes suchte so bereits im Mai und Juni nach den Gründen des Urlauberrückganges. Teils machte man Streiks, Entführungen und Diebstähle oder gar die ungenügenden Öffnungszeiten der Museen für das schlechte Urlaubsgeschäft verantwortlich, teils warf man der deutschen Presse vor, sie betreibe eine Kampagne gegen das italienische Hotelgewerbe, um deutsche Investitionen in der Fremdenverkehrswirtschaft anderer Mittelmeerländer zu fördern.

Doch nicht nur ausländische Gäste blieben aus. Auch die streikgewohnten Italiener machten seltener Urlaub im eigenen Land. Zudem hat eine italienische Fachstudie ermittelt, daß Ereignisse wie Streiks und Terroraktionen die internationalen Touristenströme nur in sehr begrenztem Ausmaß beeinflussen. Hauptsächlich sind es denn auch die hohen Preise, welche die Gäste von der Italienreise abgehalten haben. Vor allem in einer Konjunkturphase, in der ohnehin die Konsumausgaben eingeschränkt werden, reagiert der Urlauber empfindlich auf überdurchschnittliche Verteuerungen.

Bereits im vergangenen Jahr hatten deutsche Urlauber darüber geklagt, daß die Banken gegen eine Deutsche Mark gleichviel Lira tauschten wie 1979, daß aber in der Zwischenzeit die Preise in Italien um 20 Prozent gestiegen waren, während sie in der Bundesrepublik nur um knapp fünf Prozent zugenommen hatten. Inzwischen klafft die Preisentwicklung zwischen beiden Ländern auch unter Berücksichtigung von zwei kleineren Wechselkurskorrekturen in den letzten drei Jahren um 40 Prozent auseinander.

Anfang dieses Jahres zogen erstmals viele Skiurlauber Folgerungen aus dieser Entwicklung. Sie entdeckten, daß Österreich als Urlaubsland inzwischen wieder billiger geworden war als Südtirol. Monat für Monat sind dann die Buchungen in Südtirol zurückgegangen: von 17 Prozent im Mai auf über 50 Prozent im Juni.

"Die Autos mit den ausländischen Kennzeichen halten nicht mehr bei uns", jammern viele Wirte an den norditalienischen Seen. Die Gäste weichen auf Campingplätze aus und verpflegen sich nach Möglichkeit selbst. Für das durchschnittliche Essen à la carte von 30 bis 60 Mark finden sich immer weniger Interessenten. Voll sind dagegen die billigen Pizzerien, die Lebensmittelgeschäfte – und die ganz teuren Lokale.

Zwischen Rimini und Cattolica werden ähnliche Sorgen laut. Es kommen weniger Touristen, und die sind noch dazu knauserig. Italiens staatliche Eisenbahn hat die Sonderzüge in diesem Gebiet um ein Viertel vermindert. Auch die Zahl der Charterflüge vom Ausland nach Rimini ist dieses Jahr drastisch gekürzt worden, "Ein großer deutscher Reiseveranstalter teilte mir mit, daß er dieses Jahr den Pauschalvertrag nicht erneuert. Er habe seine Kunden für 13 000 Lire Vollpension (26 Mark) nach Spanien geschickt. Da können wir nicht mehr mit", klagt ein Hotelier an der Adria.