Von Lothar Reinbacher

Ein Wissenschaftler im anatomischen Institut der Universität Heidelberg hat die Erfindung seines Lebens gemacht: Dr. med. Gunther von Hagens ist es gelungen, Pflanzen, Tiere und anatomische Präparate nicht nur vor dem Verfall zu bewahren, sondern ihnen darüber hinaus ein so natürliches Aussehen zu verleihen, als sei Leben in sie zurückgekehrt. Ende dieses Monats will er seine Erfindung auf dem 6. Europäischen Anatomen-Kongreß in Hamburg vorstellen.

Bislang war es nicht möglich, verweslichem Material eine dauerhafte – feste oder plastische – Konsistenz zu geben, die weitgehend dem lebenden Objekt entspricht: Haut, die sich wie Haut anfühlt, Haare, die ihren seidigen Glanz bewahrt haben, Augen, die noch zu blicken scheinen – das gab es nicht in anatomischen Sammlungen. Nun kann Vergängliches vor der Vernichtung gerettet werden.

Die Kunst der Mumifizierung konnte zwar im trockenheißen Klima Ägyptens gelingen, doch in den gemäßigten europäischen Zonen schlugen solche Versuche fehl. Einbalsamierer oder Präparatoren für Museen und Jäger haben es ein wenig leichter als Anatomen, Pathologen oder Gerichtsmediziner: Es kommt ihnen und ihren Kunden nur darauf an, das äußere Erscheinungsbild eines Lebewesens wiederherzustellen.

Bei Lehrsammlungen biologischer Präparate spielt indessen auch das Innenleben eine Rolle. Doch die in Formaldehydlösung aufbewahrten Präparate sind blaß und farblos. Durch ununterbrochene Molekülbewegungen lösen sich von ihnen ständig kleinste Partikelchen ab und trüben die Flüssigkeit. Eine solche Sammlung verliert unaufhaltsam an Wert und bedarf mühsamer Pflege. Deshalb fehlte es zu keiner Zeit an Bemühungen, bessere Konservierungsmethoden zu erfinden.

Um die Jahrhundertwende begannen Präparatoren sogenannte Thermoplasten zu nutzen, zu denen auch das Paraffin zählte. Die Paraffinierung von Präparaten hat jedoch Nachteile und Tücken: Die biologischen Substanzen schrumpfen stark im heißen Paraffinbad, werden undurchsichtig und lassen jegliche Feinstruktur vermissen. Sie, sind zerbrechlich, berührungsempfindlich – und vor allem sehr feuergefährlich.

Wenig bewährte sich auch ein Verfahren, bei dem sogenanntes Woodsches Metall in die Blutgefäße eingespritzt wurde. Obwohl das Metall schon bei 60,5 Grad Celsius schmilzt, kam es dennoch regelmäßig zu Gewebsschädigungen.