Menachem Begins Staatsvisite in Washington kommt nicht gerade gelegen: Ronald Reagan, Alexander Haig und Caspar Weinberger verfügen noch nicht über eine langfristig eingerichtete Nahost-Politik.

Fest steht allenfalls, daß zumindest Außenminister Haig und Verteidigungsminister Weinberger Begins Expansionsvorstellungen jene Sympathien verweigern, an die sich bisher zwanglos amerikanische Kredite und Waffenlieferungen anzuschließen pflegten.

Zum Überfluß überschneidet sich Begins lange eingeplanter Regierungsbesuch mit der AWACS-Kampagne der Reagan-Administration im Kongreß. Zur Debatte steht in der nächsten Woche die Lieferung von fünf modernen, zu Radar-Überwachungsflugzeugen ausgerüsteten Boeing 707 Düsenclippern an die saudiarabische Monarchie – einer der ärgsten Feinde Israels.

Die Aussicht auf arabische AWACS hat die massive israelische Lobby im amerikanischen Kongreß und in der Presse mobilisiert. Israel fürchtet, daß die AWACS eines Tages feindliche Düsenjäger ins Gelobte Land dirigieren werden.

Amerikas Unterhändler haben Begin wissen lassen, daß sie zahlreiche – mündliche – Zusagen der Saudis besäßen, die das verhindern sollen. Das aber vermag die Israelis nicht zu trösten. Denn die Amerikaner haben offensichtlich versäumt, politische Bedingungen an den voluminösen Waffen-Deal zu knüpfen – Bedingungen, die den Friedensprozeß in Nahost fördern könnten.

Bisher freilich zeigt die AWACS-Affäre, daß Amerika bereit ist, mit alten Bündnispartnern Fraktur zu reden, wenn es glaubt, seinen eigenen Interessen dienen zu müssen. Dennoch spricht manches für das Hauptargument der pro-israelischen Lobby in Washington: „Das Weiße Haus hat die wahren Interessen Amerikas in Nahost noch nicht klar genug erkannt und handelt darum voreilig“. In der Hoffnung auf einen Lernprozeß an „höchster Stelle“ hat sich Menachem Begin denn auch – ganz gegen seine Art – auf seiner Staatsvisite rhetorisch gezügelt.

Michael Naumann (Washington)