Von Fritz Fetzer

Der Südwestfunk blickte ins Land und brachte es an den Tag: Eine Schulklasse streikte. Eine Schule hatte das Gespräch verweigert. Mag sich der Hörer nun seine Gedanken machen, auf wessen Seite das Recht ist. Der Sprecher schlug sich auf niemandens Seite; er war der „Formel“, war dem „Es“ begegnet.

Ich habe Schüler gefragt, was für sie der Staat ist, und sie haben geantwortet, der Staat sei für sie zuvörderst die Schule. Ist es erlaubt zu folgern, der erste Eindruck von Schule sei für den jungen Menschen der erste Eindruck von Staat?

Wittert schon der Schulanfänger oder der Sextaner, daß der Lehrer im Auftrag handelt? In wessen Auftrag? Und wie erklärt sich der Schüler das zweierlei Verhalten des Lehrers, das aufgetragene, oft aufgesetzte Verhalten in der Schule und das private, sofern dies vom Schüler je erlebt wird?

Schule wird als Institution empfunden, in der Leben anders abläuft als zu Hause. Ist Teilen und Helfen in der Familie erwünschtes Verhalten, so erlebt der Schulanfänger bei der ersten Klassenarbeit sehr deutlich, daß Teilen und Helfen hier zu den unerwünschten Verhaltensweisen gehört. Läßt sich in der Familie Gerechtigkeit, zur Not noch diskutieren, in der Schule wird die Note, die Beurteilung, zumindest in den ersten, entscheidenden Jahren, einfach hingenommen.

Die Schule, sagte ein Schüler, wird über einen verhängt. Sie wird aber auch, mehr denn je, über den Lehrer verhängt. Für mich ist die Schule mit den Jahren immer mehr zu einem unbefragbaren „Es“ geworden.

Die Ratlosigkeit in Einzelsituationen hat mich betroffen gemacht. Die Schule ist menschenleer geworden. Es gibt kaum noch Gelegenheiten, in denen ich entscheiden kann; es wird entschieden; es gibt eine Verordnung, die alles für mich regelt. Ich muß nicht über den Fall nachdenken, sondern die Verordnung kennen, die den Fall regelt.