Wenn es einmal mit einer Seminararbeit nicht klappt, wenn dem Studenten vor einer Prüfung wichtige Unterlagen fehlen oder für ein Referat noch schnell Literatur beschafft werden muß, dann gibt es ein probates Mittel, aktuellen Nöten abzuhelfen. Man bestellt sich die entsprechenden Materialien einfach bei der Fernuniversität Hagen, der Hochschule, die ihre Wissenschaft kostenlos per Post verbreitet.

Das soll nun anders werden. Die Fernuniversität wird künftig Studienmaterial nur gegen klingende Münze versenden. Sie wird außerdem als erste Hochschule in der Bundesrepublik eine Studiengebühr einführen, die ihre Hörer zu bezahlen haben, bevor sie sich einschreiben können. Der Mißbrauch, des kostenlosen Angebots der Fernuniversität freilich gilt dem Nordrhein-Westfälischen Wissenschaftsministerium nicht als Grund für die neue Regelung. Allein die allgemeinen Finanznöte hätten zu diesem Schritt geführt. Als Beweis des guten Willens will der Wissenschaftsminister die Hochschule anweisen, nicht schon im kommenden vierten Quartal 1981 Geld für das Studienmaterial zu verlangen: Letzte Chance also für viele Studenten, sich noch schnell mit den begehrten Skripten einzudecken.

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Während die Leistungen der Fernuniversität erheblich eingeschränkt werden, darf Baden-Württemberg zwei Hochschulen gleich ganz schließen. Die Auflösung, der beiden Pädagogischen Hochschulen in Esslingen und Lörrach, die der Stuttgarter Landtag im vergangenen Jahr beschlossen hatte, wurde vom baden-württembergischen Staatsgerichtshof für Rechtens erklärt. Die Kläger hatten geglaubt, die „Bestandsgarantie“ in der Landesverfassung verbiete es, Hochschulen zu schließen. Das Gericht aber legte diesen Verfassungsartikel anders aus: Er gelte nur für die alten Hochschulen, die besondere kulturelle Traditionen verkörpern.

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Finanznöte haben auch in Amerika ihre Folgen. Eigentlich wollte Professor Don Weber den Ruf der berühmten University of California in Los Angeles, annehmen. Daß er dennoch an das weniger renommierte Mount Holyoke College in Massachusetts ging, hat einen ebenso einfachen wie zwingenden Grund: In Kalifornien sind die Mieten zu hoch und die Häuser zu teuer, selbst für einen gut dotierten Professor,

Für amerikanische Hochschullehrer gilt das Prinzip des hiring and firing: Sie werden von konkurrierenden Universitäten angeworben, können aber auch entlassen werden und wechseln daher die Hochschulen weitaus häufiger als ihre deutschen Kollegen. Don Weber ist kein Einzelfall. Die University of California, die keine billigen Unterkünfte bieten kann, fürchtet nun einen brain drain, eine Abwanderung ihrer Spitzenwissenschaftler. Peter Pedell