Gehen nun doch die Lichter aus – nicht in der Bundesrepublik, sondern in den bundesdeutschen Kernkraftwerken?

Ein Gericht hat die Benutzung sogenannter Kompaktlager verboten, in denen die Kraftwerksbetreiber ihre ausgewechselten Kernbrennstäbe sammeln wollten, weil es an Zwischenlagern fehlt. Bei der Genehmigung des Zwischenlagers Gorleben hat es, so steht zu befürchten, einen schweren Verstoß gegen die Verfahrensregeln gegeben, der den Baubeschluß wohl ungültig macht. Und die Zukunft der französischen Wiederaufarbeitungsanlage Cap la Hague ist ungewisser denn je – damit auch das Schicksal des deutschen Atommülls, dessen „geordnete Beseitigung“ das Gesetz verlangt.

Kein Wunder, daß solche Aussichten die Stromerzeuger nicht ermuntern, noch mehr Geld für die Kernforschung lockerzumachen, obwohl sie es auf den Strompreis umlegen dürften – zum Beispiel für den Schnellen Brüter in Kalkar oder den Hochtemperaturreaktor in Schmehausen, die alle berechneten Preise und Termine längst gesprengt haben. Weil die Kosten explodiert und die auf diese Projekte gesetzten Hoffnungen gesunken sind, sperren sich die Stromproduzenten gegen Bonner Forderungen nach Lastenteilung. Das große Geschäft, der – große Durchbruch scheint’s nun doch nicht zu werden.

Wenn dann wirklich in Biblis die Lampen der Reaktorzentrale ausgeknipst werden, da die Entsorgung nicht mehr klappt, fragt der Stromkunde und Steuerzahler zu Recht nach der Vernunft einer Energiepolitik, die Brüter für das Jahr 2000 plant und über den Atommüll der Jahre 1981/82 stolpert. H. B.