Im Osten und im Westen Europas haben große Herbstmanöver begonnen.

Sowjetische Zeitungen berichteten am Wochenende, daß fast 100 000 Soldaten an den Übungen teilnehmen, die zur Zeit unter der Bezeichnung „Westen 81“ an der Westgrenze der UdSSR stattfinden. Verteidigungsminister Ustinow kommandiert die Manöver in den baltischen Sowjetrepubliken, im Gebiet um Königsberg und in Weißrußland – das ist ebenso ungewöhnlich wie der Umfang der Übungen.

Westliche Diplomaten werfen Moskau vor, es habe versäumt, die Zahl der Manöverteilnehmer gemäß den Bestimmungen der Schlußakte von Helsinki vor Beginn von „Westen 81“ bekanntzugeben.

In der Ostsee läuft derweil eine umfangreiche sowjetische Flottenübung. Schwedische Marinefachleute sprechen von 60 Schiffen und 25 000 Mann, die eine Woche lang Landungsoperationen an der lettischen und litauischen Küste trainieren. Die sowjetische Ostseeflotte ist durch Einheiten aus dem Atlantik und dem Pazifik, dem Eismeer und dem Schwarzen Meer verstärkt worden. Einheiten der übrigen Ostblockstaaten sind an den Übungen nicht beteiligt.

Gegen die Annahme, das sowjetische Manöver sei eine Reaktion auf die jüngsten polnischen Ereignisse, spricht die notwendige Vorbereitungszeit – nach Auskunft der Schweden wenigstens sechs Monate.

Die Nato nennt ihre diesjährige Manöverserie „Autumn Forge“ („Herbstliche Schmiede“). Am 2. September begannen etwa 60 Schiffe der amerikanischen, deutschen, englischen, kanadischen und norwegischen Marine mit 21 000 Mann die Übung „Magic Sword North“ vor der norwegischen Küste; 11 000 Nato-Soldaten beteiligten sich diese Woche an der „Süd“-Fortsetzung des „Zauberschwertes“ in der Nordsee und im Ärmelkanal. Die deutsche und die dänische Marine (über 100 Schiffseinheiten) üben gemeinsam mit Luftwaffeneinheiten in der Ostsee, am Skagerrak und Kattegat.

Das Bonner Verteidigungsministerium berichtet von drei geplanten Übungen der Bundeswehr unter nationalem Kommando: „Scharfe Klinge“ vom 14. bis zum 18. September im Gebiet der Schwäbischen Alb mit 48 000 Teilnehmern, „Schneller Gegenzug“ zur selben Zeit westlich von Kassel mit 12 000 Teilnehmern und „Weiße Birke“ mit ebenfalls 12 000 Soldaten vom 17. bis zum 23. September in Ostfriesland. Unter Nato-Kommando kommt es vom 14. bis zum 23. September in Mittelhessen zur „Sicheren Begegnung“ („Certain Encounter“) mit etwa 50 000 deutschen und verbündeten Soldaten; 15 000 deutsche und dänische Panzergrenadiere ziehen im Oktober in Jütland ins Manöver.

Die europäischen Luftwaffenverbände der Nato schließlich üben vom 14. bis zum 24. September – Manövername: „Cold Fire“ („Kaltes Feuer“). H.J.G.