Die einen sprechen von „Sklavenarbeit“ (IG Bau), die anderen vom „Bedürfnis der Arbeitnehmer nach individueller Beschäftigung“ (Bundesverband Zeitarbeit), Und beide haben wohl recht. Denn Leiharbeit oder Arbeitnehmerüberlassung, wie es im Amtsdeutsch heißt, ist an sich nichts Verwerfliches. – Sie ist ein sinnvolles Mittel, Personalengpässe bei den Unternehmen zu überbrücken – wenn alles mit rechten Dingen zugeht.

Aber gerade daran hapert es. Im Bundesarbeitsministerium schätzt man die Zahl der illegal Beschäftigten auf zweihunderttausend bis vierhunderttausend – hauptsächlich im Baugewerbe, Für sie – vielfach illegale Einwanderer – werden weder Steuern noch Sozialabgaben gezahlt; sie sind schutz- und rechtlos, auf Gedeih und Verderb skrupellosen Verleihern ausgeliefert. Um gegen diesen Mißbrauch anzugehen, sieht die Bundesregierung keinen anderen Weg mehr, als die Leiharbeit in der Bauwirtschaft generell zu verbieten.

Das trifft nun Gerechte wie Ungerechte. Und prompt schreien die Unternehmerverbände auch Zeter und Mordio und malen das Schreckgespenst an die Wand, daß dann „die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft und damit Stammarbeitsplätze“ gefährdet seien.

Da ist doch wohl die Frage erlaubt: Was haben die Verbände eigentlich getan, um für Sauberkeit in ihren eigenen Reihen zu sorgen? Haben sie nicht die Augen zugedrückt vor den seit Jahren bekannten Mißständen? Haben sie die schwarzen Schafe angezeigt, so wie es Pflicht eines jeden Staatsbürgers ist, wenn er von Straftaten weiß? Wer selbst für Ordnung sorgt, vermeidet, daß der Staat eingreifen muß. hm