Eintausendsechshundert Mitarbeiter und rund eintausend Fahrzeuge, die tagtäglich über 80 000 Pakete verteilen – rund dreißig Millionen im Jahr. Das ist nicht gerade die Größenordnung, um die Deutsche Bundespost das Fürchten zu lehren. Doch das hat der Hamburger Otto-Versand auch gar nicht gewollt, als er 1972 den Hermes Paket-Schnelldienst gründete, um mit dessen Hilfe die Kundschaft zu beliefern. Aber dank Hermes erreichte der zweitgrößte deutsche Versender etwas Wichtigeres: die Unabhängigkeit von der Post.

Von den vierzig Niederlassungen im gesamten Bundesgebiet und Westberlin werden siebzig Prozent aller Aufträge innerhalb von 48 Stunden, der Rest innerhalb von 72 Stunden erledigt, vom kleinsten Weiler im Bayerischen Wald bis zu den Nordseeinseln, die per Flugzeug beliefert werden. Die hilfreichen Herren von Hermes nehmen die sperrigen Verpackungen gleich wieder mit, holen auf Wunsch beanstandete Waren wieder ab und transportieren sogar, was die Post gar nicht transportieren darf: Sperrholzplatten zum Handwerken im Haus, Autoreifen und Pakete mit über zwanzig Kilo Gewicht. Die Kundschaft bekommt das alles zum Nulltarif, denn für die Hamburger Versender kommt es nicht in erster Linie darauf an, „Weltmeister in der Warenverteilung“ zu werden, sondern „Weltmeister im Service“.

Die Hamburger Privatpost wurde zum Branchenknüller, weil Firmengründer Werner Otto seinen Versandhandel, anders als seine Wettbewerber Neckermann und Schickedanz, mit Saramelbestellern – inzwischen rund eine Million – aufgebaut hat. Zwar werden längst auch Einzelbesteller bedient, doch 83 bis 90 Prozent des Versand-Umsatzes werden mit Sammelbestellern gemacht. Vorsichtige Anfragen vieler Konkurrent ten nach Kooperationsmöglichkeiten kontern die Hanseaten stets kühl: Diesen Wettbewerbsvorteil wolle man gern behalten. gf