Ursprünge pflegen – wie man weiß – im Dunkeln zu liegen. Doch für den Ägyptologen Arne Eggebrecht, Direktor des Pelizaeus Museums in Hildesheim, gibt es da keinen Zweifel: „Schwarzarbeit“ wurde schon im Alten Ägypten geleistet, wiewohl das Volk der Pyramidenbauer keinen adäquaten Begriff für „Arbeit“ kannte.

Als illegaler Feuerbringer dürfte Prometheus griechischerseits der erste prominente Schwarzarbeiter gewesen sein. Die Rache des Zeus ist bekannt. Doch avancierte der olympische Schwarzarbeiter zum Schutzgott des Handwerks – das sich heute als größtes Opfer postolympischer Schwarzarbeit wähnt.

Wie auch immer es um die Naturgeschichte illegaler Werkelei bestellt sein mag, das Wort Schwarzarbeit ist erst nach dem Ersten Weltkrieg zusammen, mit dem Ausbau des Sozialversicherungssystems aufgekommen. Es bezeichnete entgeltliche Arbeit, die Von Arbeitslosen unter Weiterbezug der Unterstützung geleistet wird. In Zeiten der Massenarbeitslosigkeit half Schwarzarbeit die allergrößte Not zu lindern oder die dürftigen Unterstützungsgelder aufzubessern. Erst später wurde die Bedeutung des Begriffs auf alle Lohnarbeit unter Umgehung gesetzlicher, besonders sozial versicherungs- und steuerrechtlicher Vorschriften ausgedehnt.

Schlechte Zeiten für Schwarzarbeiter herrschten nach Hitlers Machtergreifung. Sogar der Brockhaus von 1934 wußte brandaktuell zu vermeiden: „Der Kampf gegen die Schwarzarbeit ist im Deutschen Reich seit Sommer 1933 tatkräftig aufgenommen worden.“ Über die „Bekämpfung der Schwarzarbeit, des Doppelverdienertums und der Frauenarbeit im Rahmen der Deutschen Konjunkturpolitik“ konnte sodann 1935 eine Marburger Dissertation erste Untersuchungsergebnisse vorlegen.

Konjunktur hatte die ungesetzliche Schufterei erst wieder im Nachkriegsdeutschland. Ein Teil des Wiederaufbaus war das Werk tatkräftiger Schwarzarbeiter. Der kärgliche Verdienst der Arbeitnehmer und ihr allgemeiner Nachholbedarf ließ sie seit Ende des Zweiten Weltkrieges in die Hände spucken, ohne an Steuern und Sozialbeiträge zu denken.

Überdies hatte die Verkürzung der Arbeitszeit auf acht Stunden täglich oder 48 Stunden wöchentlich dieser neuen Form des moonlighting zusätzlichen Auftrieb gegeben. (Wer zehn oder gar zwölf Stunden hart arbeiten mußte, wird schwerlich in der Lage gewesen sein, auch noch den Mondschein werktätig zu nutzen.) Erst mit Zunahme der Freizeit erreichte diese Variante von Schwarzarbeit – an den Finanzämtern und Sozialversicherungen vorbei – einen das öffentliche Interesse erregenden Umfang. In der Bundesrepublik wurde 1951 das Volumen feierabendlichen Fleißes auf jährlich 1,2 Milliarden Mark geschätzt; den öffentlichen Kassen entgingen im Jahr 250 Millionen Mark.

Doch nicht nur die staatlichen Kassenwarte, auch und besonders betroffen fühlten sich handwerkliche Berufszweige, die sich nicht mehr auf goldenem Boden wähnten.