Als Harry Truman vor mehr als drei Jahrzehnten den Nationalen Sicherheitsrat (NSC) ins Leben rief, hoffte er auf eine bessere Abstimung der außen- und militärpolitischen Entscheidungsprozesse seiner Regierung – zum Nutzen der Sicherheit Amerikas. Nicht alle Chefs des NSC haben sich seither an Trumans Maxime gehalten und sich als bloße Koordinatoren verstanden. Walt W. Rostow unter Kennedy, Henry Kissinger unter Ford und Nixon, Brzezinski unter Carter gefielen sich mitunter auch in der Rolle von außenpolitischen Vordenkern der Supermacht. Richard Allen, Präsident Reagans Sicherheitsberater, hegt solche Ambitionen nicht. Er will keine Politik entwerfen oder durchsetzen, er will sich mit der Koordination begnügen.

Die Selbstbeschränkung beweist den Realitätssinn des umtriebigen, robusten Mittvierzigers. Organisation, nicht Konzeption ist seine Stärke. Wo Verteidigungsminister Weinberger auf die Rüstungspauke schlägt und Außenminister Haig energisch sein Ego pflegt, bleibt ohnehin nicht viel Profilierungsraum für den Sicherheitsberater. Er hat zudem genug damit zu tun, die Papierflut aus den Ministerien zu filtern, bevor sie sich in das Entscheidungszentrum des Weißen Hauses ergießt.

Für diese Kärrnerarbeit erhält Allen nicht nur Dank. Die Prätorianergarde des Präsidenten – Meese, Baker und Deaver – hat vielmehr Unzufriedenheit mit dem Nationalen Sicherheitsrat erkennen lassen. Seit einiger Zeit darf Allen Ronald Reagan nicht mehr täglich, sondern nur noch ein-, zweimal in der Woche persönlich den Lagebericht erstatten. In Washington, wo Macht und Einfluß wie Börsenkurse notiert werden, tut solch eine Zurücksetzung besonders weh.

Sie trifft im übrigen einen Mann, der zwar ideologisch genau in das Reagan-Lager paßt, der jedoch in der eher provinziellen Umgebung des Präsidenten als Solitärgewächs auffällt. Allen hat in München und Freiburg studiert, er spricht perfekt deutsch und pflegt Kontakte in aller Welt. Daß sein Kurs draußen höher steht als zu Hause, erfuhr er letzte Woche bei einem Kurzbesuch Europas: Der französische Präsident und der Bundeskanzler empfingen den Sicherheitsberater, der zu den bestinformierten Mitgliedern der amerikanischen Regierung zählt. D. B.