Bundestagspräsident Richard Studien hat in den letzten Wochen viel Ärger auf sich geladen, weil er höhere Bezüge für Bundestagsabgeordnete gefordert hat. Schon in Kürze wird Stücklen nun seinen Diäten-Bericht dem Parlament offiziell vorlegen. Dazu ist er verpflichtet. Nur: muß dies ausgerechnet jetzt sein, wo die Regierung dem Familienvater von vier Kindern 40 Mark Kindergeld streicht?

Und hat der Präsident übersehen, daß 4000 Mark netto, die den Abgeordneten verbleiben, kein so schlechtes Gehalt sind? Hat Stücklen, der fast 20 000 Mark im Monat bezieht, sich von der Basis des Volkes so weit entfernt, daß er den Blick für Realitäten verlor? Mitnichten! Richard Stücklen ist ein alter Fuchs im Parlament, mit am längsten ist er in Bonn dabei, viel zu klug, um derart dreist in die Falle zu laufen.

Für Stücklens Vorgehen gibt es daher nur eine Erklärung. Die Art, in der er das Diäten-Thema behandelt hat, konnte nur einem einzigen Zweck dienen: er wollte die Gunst der Sparstunde nutzen, um das Thema endgültig vom Tisch zu bekommen und alle Pläne zur Diätenerhöhung erst einmal in der Versenkung verschwinden lassen. Ein parlamentarischer Schachzug, der Meisterschaft verrät. Gewiß schwer zu durchschauen, aber das sind Schachzüge von Format stets. Kompliment, Herr Präsident! hff