In der Bundesrepublik galt „Schwarzarbeit“ bisher als Kavaliersdelikt und Randerscheinung. In anderen Ländern wird dagegen treffender von einer „Wirtschaft im Untergrund“ gesprochen. Statistiker und Wirtschaftswissenschaftler sind sogar der Überzeugung, daß die gesamtwirtschaftliche Leistung mancher Staaten nicht mehr ausreichend gemessen werden kann, wenn der Beitrag der Underground Economy nicht berücksichtigt wird.

Warum wächst dieser Teil der Wirtschaft in teilweise atemberaubendem Tempo, während sonst allenthalben Arbeitslosigkeit und Stagnation herrschen? Es hat wenig Sinn, Schwarzarbeit mit höheren Strafen zu belegen, während gleichzeitig nichts getan wird, die Ursachen für das Wachstum der geheimen Wirtschaft zu bekämpfen: eine als nicht mehr erträglich empfundene Steuerlast, eine die reguläre Wirtschaft immer mehr lähmende Bürokratie und Tariflöhne, die der Verbraucher nicht mehr als angemessen empfindet.

Ähnlich wie Staatsverschuldung, Inflation oder Arbeitslosigkeit ist das Wachstum der schwarzen Märkte für Arbeit ein Symptom der weltweiten Wirtschaftskrise. Wer die Schwarzarbeit bekämpfen will, wird mit Verboten ebenso wenig erreichen, wie einst im Kampf gegen den Schwarzmarkt. Erst als mit Einführung der Marktwirtschaft die Voraussetzungen – Bürokratie und unrealistische Preise – wegfielen, verschwanden auch die schwarzen Märkte – und zwar über Nacht. Michael Jungblut